Profis 21.09.2022 — 19:30 Uhr

Caci: Emotionale Momente gegen Berlin & Paris

Der Sommerneuzugang über Last-Minute-Tore, die Anfangszeit in Mainz sowie Unterschiede zwischen Ligue 1 und Bundesliga

Er war der umjubelte Spieler des Freitagabends: Anthony Caci sicherte dem 1. FSV Mainz 05 nach einem insgesamt chancenarmen Heimspiel gegen Hertha BSC mit der letzten Aktion des Spiels noch einen Punkt und machte die Offensivflaute seines Teams in den vorangegangene 90 Minuten, zumindest kurzzeitig, vergessen. "Es war ein emotionaler Moment und ich bin glücklich darüber, den Ausgleich in letzter Sekunde geschossen zu haben, noch dazu direkt vor den eigenen Fans", erinnert sich der Franzose an das erste große Highlight in seiner erst kurzen Zeit im Trikot von Mainz 05 zurück.

Komplizierter Start nach Abschied vom Jugendklub

Caci war im vergangenen Sommer von seinem Ausbildungsverein Racing Straßbourg an den Rhein gewechselt. "Ich bin mit elf Jahren zu Racing gekommen und habe dort eine schöne Zeit verbracht, entsprechend ist es mir schwergefallen 'Au revoir' zu sagen. Um erwachsen zu werden hatte ich aber das Gefühl, mein Zuhause mal verlassen, neue Erfahrungen sammeln zu müssen, um an diesen zu wachsen", erklärt der 25-Jährige seinen Wechsel nach Mainz. Dieser stand bereits seit dem vergangenen Winter fest, denn schon im Januar unterschrieb Caci seinen bis 2026 laufenden Vertrag am Bruchweg. "Das war mir wichtig, um Klarheit zu haben. Mein Vertrag bei Racing ist ausgelaufen und ich war früh von Mainz überzeugt", ergänzt der Franzose. Er habe direkt angefangen Deutsch zu lernen, um sich besser mit seinen Mainzer Teamkollegen, den Trainern und dem Staff verständigen zu können. "Seit Januar habe ich eine oder zwei Stunden Deutsch pro Woche. Es war mir wichtig, die Sprache im Vorhinein schon ein bisschen zu lernen, um mich hier schnell akklimatisieren zu können", sagt Caci.

Ich bin froh, dass ich mich jetzt herangekämpft habe und körperlich auf einem guten Niveau bin.

In Mainz erlebte er dann in diesem Sommer einen etwas komplizierten Start, musste in der Vorbereitung zwischenzeitlich angeschlagen kürzertreten und kam an den ersten sieben Spieltagen nur zu vier Joker-Einsätzen. "Natürlich habe ich mir das etwas anders vorgestellt, aber mit Verletzungen kann man nie planen. Unglücklicherweise hat es mich in der Vorbereitung erwischt und ich wurde dadurch etwas zurückgeworfen. Ich bin froh, dass ich mich jetzt herangekämpft habe und körperlich auf einem guten Niveau bin. Die Einsatzminuten, die ich bekommen habe, habe ich, denke ich, genutzt und möchte dies auch zukünftig tun", erklärt der Franzose.

Last-Minute-Erfahrung

Im Spiel gegen die Hertha, in dem Caci nach einer knappen Stunde Aarón auf der linken Außenbahn ersetzte, zahlte der Franzose das Vertrauen seines Trainers zurück, brachte Dynamik ins Spiel und krönte seinen bis dato längsten Pflichtspiel-Einsatz für den FSV mit dem Ausgleich in der 94. Minute. Schon in der vergangenen Saison hatte "Titi", wie er seit frühester Kindheit genannt wird, mit einem Treffer in letzter Sekunde auf sich aufmerksam gemacht, damals noch im Trikot von Racing Straßbourg. In seinem vorletzten Heimspiel für seinen Jugendklub traf der Franzose in der 92. Spielminute zum umjubelten 3:3 gegen Paris St. Germain. "Anscheinend liegen mir die letzten Minuten, auch wenn ich das nicht unbedingt erklären kann. Wichtige Last-Minute-Tore sind emotionale Momente und immer etwas Besonderes", wird auch der späte Ausgleichstreffer gegen Berlin Caci im Gedächtnis bleiben.

Die Frage, ob es eine schöne Erfahrung gewesen sei, in Frankreich gegen Top-Stars wie Lionel Messi, Neymar oder Kylian Mbappé zu spielen, bejaht der Mainzer Sommerneuzugang: "Natürlich ist es toll gegen die besten Spieler der Welt zu spielen. In Frankreich sind das Messi, Neymar oder Mbappé. Aber auch in der Bundesliga gibt es Top-Spieler wie Sadio Mané, Leroy Sané oder Marco Reus und es ist eine Ehre, sich mit ihnen messen zu dürfen. Man kann viel von ihnen lernen und sieht, woran man noch arbeiten muss", erläutert Caci.

Man kann viel von ihnen lernen und sieht, woran man noch arbeiten muss.

Anthony Caci bei seinem Debüt in der MEWA ARENA im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen.

Ligue 1 und die Bundesliga - Unterschiede und Gemeinsamkeiten

Ein Unterschied zur Ligue 1 sei die Intensität und die Physis in der Bundesliga. "In Frankreich ist das Spiel wesentlich taktischer geprägt", es sei schwieriger, Tore zu erzielen, weil die Mannschaften über das gesamte Spiel kompakt verteidigen und tief stehen. "In Deutschland ist die Intensität so hoch, dass sich in der zweiten Halbzeit oftmals mehr Räume ergeben und es mehr hin und her geht", so der Franzose, der sich in seiner neuen Heimat bereits zuhause fühlt. "Mainz ist eine sehr schöne Stadt. Ich fühle mich hier wohl, habe schon viel mit meiner Familie unternommen, mag die Cafés und Restaurants und die Menschen sind sehr freundlich. Außerdem bin ich hier nur anderthalb Stunden von meinem Zuhause entfernt", so Caci, der im Département Moselle nahe der deutschen Grenze geboren ist.

Mainz ist eine sehr schöne Stadt, ich fühle mich hier wohl.

Auch die familiäre Atmosphäre beim FSV gefällt dem Neuzugang, der die Nähe zu den Fans bereits aus seiner Zeit in Straßbourg kennt: "In Frankreich ist es nicht überall so, aber Racing ist ein familiärer Verein, deshalb hatten wir dort immer einen guten Kontakt zu den Fans. Das Gleiche gilt auch für Mainz. Die Fans sind nah an der Mannschaft, es ist familiär, das gefällt mir", sieht Caci durchaus Gemeinsamkeiten zwischen seinem alten Arbeitgeber und Mainz 05. 

Guter Saisonstart mit Verbesserungspotential

Auf die ersten sieben Bundesliga-Spieltage, an denen die Mainzer elf Punkte geholt haben und somit während der Länderspielpause auf dem achten Tabellenplatz stehen, blickt der Neuzugang insgesamt positiv zurück, sieht aber fußballerische Verbesserungsmöglichkeiten. "Im Nachhinein betrachtet haben wir einen guten Saisonstart hingelegt. Mit unserer Platzierung können wir zufrieden sein, sie sollte uns Selbstvertrauen geben", erklärt Caci. Fußballerisch müsse man daran arbeiten, die guten Phasen im Spiel zu verlängern und sie zukünftig über ein ganzes Spiel zu zeigen. Um dies zu verbessern, käme die Länderspielpause zu einem guten Zeitpunkt, findet der 25-Jährige.

Persönlich möchte sich der Franzose weiter an die Intensität des deutschen Fußballs gewöhnen und physisch noch stärker werden. "Da bin ich dran und denke, dass ich nicht weit von einem Platz in der Startelf entfernt bin, wenn ich das hinbekomme", hofft "Titi", sich zukünftig noch mehr Spielanteile erarbeiten zu können.

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