Profis 29.06.2020 — 18:40 Uhr

Das Ziel: Ein konstant funktionierendes Kollektiv

Trainer und Sportvorstand ziehen selbstkritisches Fazit und blicken nach vorne - Vertragsverlängerung von Brosinski und Bell gewünscht

Die Analyse der vergangenen Saison hat bei Sportvorstand & Cheftrainer bereits begonnen.

Seit Samstag ist die Bundesligasaison 2019/20 für den 1. FSV Mainz 05 zu Ende. Die Hoffnungen, sich nach dem vorzeitigen Klassenverbleib in der Tabelle noch etwas nach oben zu klettern, haben sich durch die 0:1-Niederlage in Leverkusen zerschlagen. Weil, wie Achim Beierlorzer am Montag in einer Medienrunde feststellte, wie so häufig die Leistung stimmte, nicht aber der Ertrag.

Zum ersten Mal seit Anfang März gab es wieder den direkten Kontakt zwischen Trainer und 05-Sportvorstand auf dem Podium im Presseraum der OPEL ARENA und den Journalisten. Ein Saison-Abschlussgespräch mit dem nötigen räumlichen Abstand, in dem die sportlich Verantwortlichen diese komplizierte Spielzeit hoch einmal Revue passieren ließen. "Die Hoffnung ist natürlich, dass man früher abbiegt und in ruhigeren Gefilden paddelt, statt im Wildwasser", sagte Beierlorzer. Dass die Mannschaft schließlich 33 Spieltage dafür benötigte, lag seiner Ansicht nach daran, dass sein Team in vielen Spielen, "die wir nur mit einem Tor Unterschied verloren haben, die Momente nicht genutzt haben, sonst hätte es früher angenehm werden können".

In Mainz ist immer etwas los

Am Ende waren es dann überzeugende Vorstellungen einer Mannschaft, die rechtzeitig zu sich fand. "Wir haben unser Ziel erreicht. Das ist entscheidend. Rouven ist noch enger an uns herangerückt, wir hatten noch mehr Austausch", berichtete der Trainer. "Jeder hat noch eine Schippe drauf gelegt. Wir haben intern in den Mittelpunkt gestellt, dass jeder bei uns seinen Beruf zu 100 Prozent ausübt und sich darauf fokussiert. Das hat funktioniert."

Für den Sportvorstand war es mal wieder eine turbulente Zeit. Schröder kennt es nicht anders, seit er im Mai 2016 sein Amt angetreten hat. "In Mainz ist immer etwas los. Man kommt voll auf seine Kosten. Die ganze Palette", sagte der 44-Jährige. "Trotzdem haben wir die Liga gehalten. Das ist ein Kompliment an alle Beteiligten. Wir sollten nicht vergessen, auch die positiven Dinge auszusprechen: Wir sind stolz darauf. Wenn man ins zwölfte Jahr Bundesliga geht, ist man ein gestandener Bundesligist."

Danny Latza schwört die Teamkollegen auf das Duell mit Eintracht Frankfurt ein: Ab dieser Partie, sagte der Kapitän zuletzt, hätten sich die 05ER als echte Einheit präsentiert.

Zu einem solch gestanden Klub gehöre es allerdings, Dinge selbstkritisch einzugestehen, um irgendwann andere Ziele zu formulieren. "Wir freuen uns nun auf die neue Saison, in der wir es besser machen und wieder die ganze Energie reinstecken wollen. Ein paar Tage Abstand werden helfen, den Akku dafür aufzuladen."

Schon seit Tagen und nicht zuletzt in der heißen Phase des Abstiegskampfes sei er komplett drin in der Besprechung. Mit den Trainern, mit den Spielern. "Da werden Dinge angesprochen. Und diese Aufarbeitung hält auch noch weiter an", sagte Schröder. Es sei nötig, die Analyse mit etwas Abstand vorzunehmen, losgelöst vom Stress im Abstiegskampf, um klarer zu sehen, aber auch um neue, kreative Ideen zu finden.

Gefühlt nie richtig erholt

Der Klub sei im vergangenen Sommer beschwingt in die Saison gegangen. "Wir haben uns Dinge ausgemalt, haben dann aber auch schnell gemerkt, wie schnell es in die andere Richtung laufen kann. Wir haben bewusst den Kader zusammengehalten und punktuell mit neuen Spielern ergänzt und sind voller Euphorie und Schwung an die Sache herangegangen. Der erste richtig große Knick war das Pokal-Aus in Kaiserslautern." Und dann der Start: unnötig in Freiburg verloren, zu Hause gegen Gladbach, in München mit 1:6 unter die Räder gekommen. "Dann stehst du schon wieder da, wo du nicht hin willst. Davon haben wir uns gefühlt nie richtig erholt."

Verletzungen von Leistungsträgern, dann die Trennung von Sandro Schwarz und die Installation von Beierlorzer. Die Höhen und Tiefen blieben. Und immer wieder das Thema Konstanz. Andererseits, fragte Beierlorzer, "wie viele Spiele haben wir wirklich schlecht gespielt und gegen wen haben wir dabei gespielt?" Die Antwort gab er selbst. Richtig schlecht in Augsburg. Gegen spielstarke Gegner auf hohem Niveau sei es häufig nicht gelungen, dem Gegner weh zu tun, unangenehm zu sein, möglichst lange die Null zu halten. "Wir sprechen über gar nicht so viele katastrophale Leistungen, von denen man sagen könnte, die Mannschaft hat im Kollektiv versagt. Es sind die vielen Kleinigkeiten, an denen wir arbeiten. Wir wollen an dieser Mannschaft arbeiten. Wir müssen den jungen Spielern helfen, dass sie Konstanz auf hohem Niveau halten. Wir werden die Spieler darauf hinweisen, was wir nächste Saison von Beginn an erwarten. Wir wollen ein absolut funktionierendes Kollektiv, in dem jeder versucht, sein Maximum zu erreichen und sich dabei hundertprozentig für Mainz 05 einsetzt."

Neue Verträge für Bell & Brosinski?

Kaderumbruch unwahrscheinlich

Schröder deutet unterdessen an, dass es aufgrund der vom Corona-Virus und von finanziellen Einbußen beherrschten Gesamtsituation wahrscheinlich nicht die ganz großen Veränderungen geben werde. "Mir wäre auch überhaupt nicht bange, wenn es keinen Kaderumbruch geben würde, weil wir ja wissen, wie diese Mannschaft funktioniert. Dass wir gewisse Dinge ändern müssen, mehr Konsequenz an den Tag legen, in Sachen Disziplin noch mal einen Schritt machen müssen ist klar. Wir haben aber eine intakte Mannschaft, die am Ende noch enger zusammengewachsen ist", sagte der 05-Vorstand.

Es sei noch zu früh, um über Personalfragen zu reden, aber Schröder bestätigte, dass der Klub mit den Routiniers Daniel Brosinski und Stefan Bell, deren Verträge auslaufen, weiter zusammenarbeiten möchte. "Es gab und gibt Gespräche. Unser Wunsch ist, mit beiden zu verlängern mit voller Überzeugung. Trotzdem ist es noch ergebnisoffen."

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