Profis 02.10.2022 — 20:00 Uhr

Unglücklich in der engen Kiste

Mainzer Power-Endspurt wird nicht belohnt - Svensson lobt Mentalität und Glaube seiner Mannschaft beim 1:2 in Freiburg

Die Luftsprünge, die Christian Streich nach dem Ende der vierminütigen Nachspielzeit vollführte, wie er hin zu seinen Spielern stürmte und seine Profis herzte, deutete an, welche Bedeutung der Trainer des SC Freiburg, diesem 2:1-Heimsieg am achten Spieltag der Bundesliga über den 1. FSV Mainz 05 beimaß. "Ich spiele schon so viele Jahre gegen Mainz. Das sind immer wahnsinnig schwere Spiele. Ich bin extrem glücklich, weil ich schon gar nicht mehr weiß, wann ich mal gegen Mainz gewonnen habe. Deshalb freue ich mich sehr, dass wir sie jetzt auch mal geschlagen haben, aber es war eine enge Kiste. Am Ende ist der Sieg verdient, aber wir könnten uns nicht beklagen, wenn es 2:2 ausgeht. Mainz hat nie aufgehört. Als das 2:1 fiel, war klar, was kommen würde", sagte der 57-Jährige, der in der Saison 2019/20 letztmals drei Punkte gegen den FSV geholt hatte. Danach folgten zwei 05-Erfolge und zwei Unentschieden.

Eine Punkteteilung war für die Mannschaft von Bo Svensson auch diesmal drin. Das Glück, das die Mainzer zuletzt auf ihrer Seite hatten, blieb ihnen jedoch diesmal verwehrt. Die 05ER bleiben nach der zweiten Auswärtsniederlage mit elf Punkten im Mittelfeld der Liga.

Ausgleich wäre verdient gewesen

"Am Ende war es dramatisch, etwas unglücklich und wir hätten den Ausgleich noch verdient", erklärte Martin Schmidt nach dem Abpfiff. "Unsere zweite Halbzeit war gut. Darauf können wir aufbauen. Da haben wir eine mutige Mannschaft gesehen. Der Coach hat sehr offensiv gewechselt. Am Ende hatten wir zeitweise keinen Innenverteidiger mehr auf dem Platz. Durch die Umstellung auf Viererkette sind wir noch offensiver geworden, sind immer wieder zu Chancen gekommen. Mit dem Mut hätten wir uns fast noch belohnt, doch leider hat es nicht gereicht trotz dieser beherzten Leistung."

Der Coach hat sehr offensiv gewechselt. Am Ende hatten wir zeitweise keinen Innenverteidiger mehr auf dem Platz

Rund 2.000 Mainzer unterstützten ihr Team im Breisgau.

Mit dieser Einschätzung lag der Sportdirektor des FSV richtig. Allein die Szenen, die sich ab der 89. Minute im Freiburger Strafraum abspielten, hätten genügen können, um einen verdienten Punkt mitzunehmen: Einen direkten Freistoß von Aarón, der zuvor den Anschlusstreffer erzielt hatte, faustete Mark Flekken weg. Einen weiteren Freistoß des Linksverteidigers verlängerte der nach vorne geeilte Robin Zentner per Kopf, Anthony Caci passte auf Karim Onisiwo, der nur den Pfosten traf, ehe Nils Petersen in der Nachspielzeit noch einen Schuss von Silvan Widmer nach einer Ecke von der Torlinie kratzte.  Und Onisiwo fehlte nach einer fast perfekten Kopfballvorlage seines Torhüters, der minutenlang den klassischen Mittelstürmer mimte, nur eine Fußspitze, um den Punkt zu erobern.

Zentner: „Warum nicht?“

"Beim Stand von 1:2 dachte ich: 'Warum nicht?'", begründete der 05-Keeper seinen Offensivdrang. "So hat man einen Mann mehr im Strafraum, mit meiner Größe lohnt es sich, das zu tun." Außerdem hatte Svensson, wie er später betonte, seinen Torhüter nach vorne gewunken.

"Vielleicht hätten wir von Anfang an ein bisschen mehr Mut zeigen sollen", sagte Schmidt. Denn den Gästen fehlte im neuen Freiburger Stadion in der Anfangsphase dieser Mut, so offensiv zu pressen, wie sie es später taten. Das Team startete verhalten und geriet von Beginn an unter Druck, sogar noch vor dem Treffer von Michael Gregoritsch in der dritten Minute. „Wir haben schlecht angefangen mit dem frühen Gegentor. Wir haben bei beiden Toren nicht gut verteidigt", kritisierte der Cheftrainer, der eine ganz neue Abwehrformation präsentierte. Mit Widmer, Stefan Bell und Anthony Caci in der Dreierkette, weil Alexander Hack noch gesperrt war, Maxim Leitsch verletzt passen musste.

Vielleicht hätten wir von Anfang an ein bisschen mehr Mut zeigen sollen

Die fehlende Abstimmung in der Defensive vor der Pause war ein Thema bei den Gästen, obwohl der Cheftrainer insgesamt gar nicht viel zu beanstanden hatte am Auftritt seiner Mannschaft im ersten Durchgang. "Ich war nicht so unzufrieden mit Phasen unseres Spiels, aber wir hatten Probleme mit langen Bällen und damit, Gregoritsch in den Griff zu bekommen", sagte Bo Svensson. "Als wir das Spiel besser in den Griff bekamen, sind wir in zwei Konter gelaufen. Den ersten macht Gregoritsch nicht, beim zweiten ist der Ball drin", fasste Schmidt die letztlich spielentscheidende Situation zusammen. Dass Vincenzo Grifo von der linken Strafraumecke ungehindert an den Fünfmeterraum passen durfte, wo Gregoritsch ebenso leicht an den Ball kam, die Latte traf, Daniel-Kofi Kyereh den Abpraller aus nächster Nähe ebenso ungehindert zum 2:0 einköpfte, ärgerte alle Mainzer.

"Tor darfst du niemals fangen"

"Das ist ein Tor, das darfst du niemals fangen. Einen flachen Ball auf den ersten Pfosten darfst du nicht vorbeilassen, insbesondere wenn du Fünferkette spielst", sagte Svensson. "Wir haben es in der ersten Halbzeit verbockt", meinte Jonathan Burkardt, der nicht lange nach der Freiburger Führung eine Topchance zum Ausgleich vergeben, eine Flanke von Leandro Barreiro freistehend nur mit der Schulter statt mit dem Kopf getroffen hatte. "Da hat uns vielleicht eine gewisse Abgeklärtheit und Überzeugung im letzten Drittel gefehlt. Da können wir uns steigern", betonte der Sportdirektor, der dennoch viel Positives registrierte, was die Mannschaft aus dieser Niederlage herausziehen kann. "In der Pause waren die Jungs positiv. Sie wussten, dass sie eigentlich vieles gut gemacht hatten, aber dennoch 0:2 zurücklagen. Die Stimmung war positiv, deswegen wusste ich, wenn wir ein Tor machen, brennt es hier nochmal. Das Team nimmt sehr viel mit. Den Mut in der zweiten Hälfte. Man hat gesehen, dass wir damit zu Chancen kommen, dass das Team will und es kann."

Sie wussten, dass sie eigentlich vieles gut gemacht hatten, aber dennoch 0:2 zurücklagen

Erfreulich auch die Tatsache, dass Nelson Weiper sein Bundesligadebüt gab als nunmehr jüngster Spieler in der 05-Geschichte. "Wir sehen Nelsons Qualität in der Box und haben gedacht, für eine solche Situation könnte es passen. Es war ein erster Schritt", so Svensson.

Ein historischer 05-Moment

Mit 17 Jahren, sechs Monaten und 14 Tagen löste Nelson Weiper Paul Nebel am Samstagnachmittag als jüngster 05-Bundesliga-Debütant der Geschichte ab.

Spielerisch besser geworden

Svensson bescheinigte seinem Team mehr Energie in der zweiten Halbzeit und dass seine Spieler bis zum Ende daran geglaubt hätten, einen Punkt mitzunehmen. "Wir sind spielerisch dann auch besser geworden. Was man auf jeden Fall sagen kann, ist, dass die Mentalität gestimmt hat bei meiner Mannschaft. Sie hat nie aufgegeben. Zur Halbzeit 0:2 in Freiburg zurückzuliegen, ist keine einfache Aufgabe. Sie haben an sich selbst geglaubt, darauf bin ich stolz und kann meiner Mannschaft keinen großen Vorwurf machen. Von der Mentalität her und wie wir teilweise Fußball gespielt haben, war das eine Aufwärtsentwicklung", erklärte der Cheftrainer.

Am kommenden Samstag (15.30 Uhr, hier geht's zum Ticketshop) kommt nun Leipzig in die MEWA ARENA.   Vielleicht gelingt dem FSV dann gegen das Team des Ex-Mainzers Marco Rose der erste Heimsieg. In den vergangenen zwei Heimspielen gegen den Favoriten waren die Punkte in Mainz geblieben. 

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