Profis 09.10.2018 — 16:00 Uhr

Schwarz sieht viele Dinge auf sehr gutem Niveau

Sandro Schwarz lobt Defensive sowie strukturierte Spielweise - "Trotz allem haben wir das Gefühl, dass wir zu wenige Punkte haben"

Seit vier Spielen haben die Profis des 1. FSV Mainz 05 nunmehr kein Tor erzielt. Damit befindet sich der  Bundesligist in prominenter Gesellschaft. "Real Madrid hat seit 409 Minuten nicht mehr das Tor getroffen, dann haben wir ja nach der Länderspielpause in Mönchengladbach noch eine Halbzeit, um besser zu sein", witzelte Sandro Schwarz nach dem Hinweis eines Journalisten in der obligatorischen Medienrunde nach dem Vormittagstraining am Dienstag. Der 05-Trainer will jedoch die Abschlussflaute gar nicht groß thematisieren, sondern den klar strukturierten Ansatz im Spiel nach vorne weiter verfolgen, den die Mannschaft beim 0:0 im Heimspiel gegen Hertha BSC überzeugend praktizierte. Dennoch sieht der 39-Jährige auch Verbesserungspotenzial.

"Wir hätten gegen Berlin auch aus den Umschaltsituationen mehr machen können mit einer höheren Präzision im letzten Drittel", sagte Schwarz, der die Partie ausgiebig analysiert hat. "Viele Dinge, die wir sehen wollen, machen wir auf einem sehr guten Niveau. Es bleibt einfach dabei, dass wir uns möglichst viele große Chancen erarbeiten müssen. Das haben wir auf gutem Niveau gemacht. Dazu verteidigen wir herausragend. Das ist top. Wir sind sehr stabil auf der Torhüterposition. Robin Zentner hat in seinem ersten Saisonspiel Ruhe ausgestrahlt, die beiden Innenverteidiger überzeugen mit sehr gutem Stellungsspiel und verteidigen sehr viel weg. Die Außenverteidiger machen gute Läufe. Der gesamte Block mit dem Dreier-Mittelfeld plus Zehner im Zentrum, das ist eine Basis. Viele Dinge sind am Laufen und trotz allem haben wir das Gefühl, dass wir mit dem, was wir auf den Platz bringen zu wenige Punkte haben."

80 Balleroberungen

Die Auftritte des Teams bestärken den 05-Trainer jedoch auf dem eingeschlagenen Weg: "Die größte Erkenntnis dabei ist, dass wir trotz allen Offensivdenkens die defensive Stabilität nicht verlieren." Die Statistik zeigt, dass die 05er gegen Hertha 80 Balleroberungen hatten. "Das ist ein herausragender Wert", sagt Schwarz. Die Mannschaft vermittle ein Gefühl von Verlässlichkeit. "Das müssen wir immer weiter forcieren, weiter an der Entwicklungsschraube drehen, stetig besser werden", zeigt sich Schwarz überzeugt.

Die erste Trainingseinheit der Länderspielpause

Das 4-4-2-System mit Raute, das die 05er in der zweiten Hälfte auf Schalke und nun gegen die Hertha spielte, ist dabei eine Grundordnung, in der sich das Team offensichtlich wohl fühlt. "Es kommt immer auf die Spielerprofile an. Du brauchst für die Raute Ballsicherheit im Zentrum, die Achter müssen laufstark sein, weil sie nach außen hin viele Wege machen müssen zum Verteidigen, wenn die Außenverteidiger höher stehen. Du brauchst einen zentralen Sechser, der die Position alleine spielen kann und das strategische Denken dafür hat", erklärt Schwarz.

Boëtius laufstärkster 05er

Das alles gibt dieser junge 05-Kader her. Kunde Malong zeigte im Heimspiel auf ebendieser Sechserposition eine starke Leistung. "Kunde hat für uns einen großen Wert durch sein räumliches Verhalten, wenn er das Spielfeld vor sich hat. Wir wussten, dass er ein guter Fußballer und giftiger Zweikämpfer ist", sagt Schwarz. Die Idee, den Neuzugang zentral im Mittelfeld zu stellen, sei beim Testspiel in Vigo geboren worden. In der erfolgreichen Endphase der vergangenen Saison hatte Nigel de Jong diese Position übernommen, Jean-Philippe Gbamin mit Ridle Baku auf der Doppelacht gespielt. "In Vigo haben wir das Gefühl entwickelt, dass Kunde in dieser Konstellation der richtige Sechser für uns ist und Nigel ersetzen kann", so der Coach. Baku und Gbamin dazu als spielstarke Achter, das passt. Der ivorische Nationalspieler, der mit raumgreifenden Schritten das Mittelfeld überwinden kann, hätte zudem mit seinen beiden großen Chancen die Partie gegen die Hertha entscheiden können.

Der Trainer erwartet Torgefahr grundsätzlich von allen Positionen aus. Auch von Jean-Paul Boëtius, der ein ordentliches Debüt als Zehner gab, dabei der laufstärkste 05er war. "Wir haben die Variante in den nichtöffentlichen Trainingseinheiten getestet." Für die Dominanz und die Chancenentwicklung brauche das Team dieses Profil. "Ballsicherheit in torgefährlichen Räumen, sich zwischen den Linien viel zu bewegen, mit dem ersten Kontakt weg zu sein. Dynamik für den Tiefensprint, wenn Mateta oder Burkardt seitlich ausbrechen, damit wir von der 'zehn' aus auf geradem Weg in den Strafraum laufen können. Das bringt Jean-Paul alles mit", betont Schwarz. "Und seit Samstag wissen wir auch, dass er es in der Bundesliga umsetzen kann."

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