Vorberichte 19.04.2021 — 14:20 Uhr

Svensson: Gelernt, flexibel zu sein - Super League "Doppelmoral"

Nach der Absage des Duells mit Hertha BSC treffen die 05ER am Mittwoch auf Werder Bremen - 05-Cheftrainer positioniert sich mit Blick auf die Pläne zwölf europäischer Spitzenklubs klar

Auf Jean-Paul Boëtius im Mainzer Mittelfeld dürfte Svensson auch in Bremen von Beginn an vertrauen.

Einfluss auf sein Team soll der durch die Absage des Duells mit Hertha BSC erzwungene Rhythmuswechsel keinen haben, wenn es nach Bo Svensson geht. Man lebe derzeit eben in "keiner normalen Welt" und müsse lernen flexibel auf unvorhergesehene Ereignisse zu reagieren, wie der Däne auf der Pressekonferenz vor der Partie beim SV Werder Bremen am Mittwochabend (20.30 Uhr) betonte: "Wenn wir etwas gelernt haben, ist es, den Fokus darauf zu legen, was in unserer Hand liegt. Das ist jetzt das Bremen-Spiel, darauf versuchen wir uns bestmöglich vorzubereiten", so der Cheftrainer am Montagmittag, an dem er zudem seine Gedanken zu aktuellen Entwicklungen rund um den europäischen Spitzenfußball teilte.

Aus dem heimischen Wohnzimmer konnten die Mainzer Profis am Sonntagnachmittag verfolgen, wie der kommende Gegner Borussia Dortmund trotz früher Führung mit 1:4 unterlag. Ein Ergebnis, das selbstredend auch der 05-Coach registriert hat, daraus aber nicht allzu viele Rückschlüsse für das bevorstehende direkte Duell mit den Norddeutschen ziehen will: "Sie hatten zuletzt eine negative Phase, haben aber auch nur gegen Top-Mannschaften gespielt. Gestern haben sie es zu Beginn sehr gut gemacht und ein Tor geschossen. Danach muss man sagen, dass man die individuelle Qualität der Dortmunder gesehen hat. Es war ein schwieriges Spiel für Werder. Sie sind jetzt sehr fokussiert auf das Spiel gegen uns. Und man hat in dieser Saison schon gesehen, dass sie eine gute Mannschaft und Qualität haben", so Svensson vor dem Aufeinandertreffen mit dem zwar um zwei Zähler besser platzierten Team von Florian Kohfeldt, das aber eine Partie mehr ausgetragen hat als der FSV.

Sie spielen zuhause und werden sicherlich offensiver agieren

Sein eigenes Team habe nach dem freien Samstag am Sonntag eine gute Trainingseinheit abgeliefert und werde den Fokus in den verbleibenden gut 48 Stunden ausschließlich auf die kommende Aufgabe richten. Vor einem Duell, in dem der Ex-Profi erneut eine "intensive, enge Partie" erwartet, in der der Gegner mutmaßlich eine andere Herangehensweise wählen werde als beim BVB, wo die Bremer vermehrt auf Konter gelauert hatten. "Sie spielen zuhause und werden sicherlich offensiver agieren." Großen Einfluss auf das 05-Spiel sollte sie jedoch keinen haben, wie der 41-Jährige, der wohl bis auf Luca Kilian auf den gesamten Kader zurückgreifen kann, andeutete. "Es gibt in unserem Spiel Elemente, die immer auf dem Platz zu sehen sein müssen, und einige Dinge, die sich, je nach Gegner, ändern können." Details verraten wollte er freilich keine vor dem nächsten wegweisenden Spiel, in dem er allerdings eine Steigerung gegenüber dem glücklichen Sieg in Köln erwarte, an die er aus Gründen fest glaubt.

Die Pressekonferenz bei 05ER.tv

 

Kein Magier

"Die Jungs waren selbst sehr unzufrieden mit dem Spiel in Köln und wussten, dass sie unter ihren Möglichkeiten geblieben sind. Das ist ein weiteres kleines Zeichen, was in dieser Mannschaft mittlerweile drin ist", ging der Trainer auch auf den von Robin Zentner als Mentalitätswandel betitelten Aufschwung im Team ein. Er selbst sei die Arbeit am Bruchweg mit "gewissen Werten und Prinzipien" angetreten, "die mir wichtig sind". Als "Führungsperson", so sein Selbstverständnis, habe er diese der Gruppe gegenüber klar formuliert, die aber, wie er betont, selbst immer wieder initiativ werde. "Ich bin nicht der Magier, der irgendwas umgestoßen hat. Wir versuchen ganz einfach jeden Tag, in der Kabine und auf dem Platz, unsere Werte vorzuleben", unterstrich Svensson in aller Bescheidenheit. 

Spieler und Trainer dieser Vereine stehen jetzt in der Pflicht

Während der Däne sich nun also anschickt, mit den Rheinhessen den im Winter kaum noch für möglich gehaltenen Klassenerhalt zu packen, blickte er abschließend über den Tellerrand und fand, auf Rückfrage eines Journalisten, überaus deutliche Worte hinsichtlich der am Wochenende bekannt gewordenen Pläne zwölf europäischer Spitzenmannschaften zur Gründung einer sogenannten "Super League": "Zunächst finde ich, dass es bemerkenswert ist, dass keine deutsche Mannschaft dabei ist. Das spricht für Vereine wie Bayern München oder Dortmund. Man hat hier aber darüber hinaus mit Vereinen zu tun, die für Historie, Geschichte und Tradition stehen - und auch für das Gemeinsame. Wenn ich an das 'You'll never walk alone' von Liverpool denke und sie daran teilnehmen möchten, dann ist das Doppelmoral", betonte Svensson. "Spieler und Trainer dieser Vereine stehen jetzt auch in der Pflicht. Es geht aus meiner Sicht nur um einen engen Kreis, nur um Geld, mehr Geld, für Wenige. Ich bin sehr gespannt, wie die Fußballgemeinschaft damit umgeht." Wenn es so käme, wäre es aus Sicht des 05-Trainers ein "absoluter Hammer. Das wäre nicht gut für den Fußball." Ein deutliches Statement Svenssons, der bereits als Profi für seine klaren Worte und Analysen bekannt gewesen war und dessen Positionierung in dieser Angelegenheit - unüberhörbar - weit über Floskeln hinaus ging.

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