05-Geschichte

Start im Café Neuf

Die ersten Jahrzehnte

Nach einem missglückten Versuch im Jahr 1903, den damals verpönten Fußball in Mainz gesellschaftsfähig zu machen, glückte im zweiten Anlauf die Gründung: Gegenwärtig (und erstmals erwähnt in der Festschrift zum 50. Jubiläum) hat sich der 16. März 1905, als Gründungsdatum durchgesetzt, nachdem in Vorkriegsquellen vom 27. März 1905 die Rede ist. Woher die Diskrepanz zwischen zwei Gründungsdaten kommt, darüber kann nur spekuliert werden.

Klar ist, dass die Historie der 05er unterhalb der Großen Langgasse begann. In etwa dort, wo heute zwischen dem Irish Pub und Erna Schreibers Wäscheladen eine bunt bemalte Wetterstation steht, in der „Restauration Café Neuf". Als Gründer des „1. Mainzer Fußballclubs Hassia 1905" - der Name Hassia steht für das Großherzogtum Hessen, in dem Mainz damals Hauptstadt der Provinz Rheinhessen war - gelten acht junge Männer: Karl Finkenauer, der zum ersten Präsidenten gewählt wurde, Josef Kiefer, Christoph Stepper, Karl Nause, Julius Hartmann, Heinrich Tuch, Theodor Kimpel und Max Picard. Eugen Salomon, der gemeinhin als 05-Gründer und erster Präsident gilt, trat erst etwas später bei, arbeitete die Vereinsstatuten aus und wurde im Oktober 1905 Finkenauers Nachfolger.

Das erste Spiel unter dem Namen 1. MFC Hassia 05 endete mit einem 5:3-Sieg gegen Germania Gustavsburg. Weitere Spiele folgten unter anderem gegen die FVgg Mombach 03, den ältesten reinen Fußballverein Rheinhessens. Nach und nach traten immer mehr dieser jungen Klubs dem Süddeutschen Fußballverband bei. Um weiterhin Gegner zu finden, mussten auch die 05er diesen Weg gehen. Gegen den Widerstand mancher Konkurrenten setzte Salomon die Aufnahme in den Verband zu Ostern 1906 durch. Sein Klub spielte fortan in der B-Klasse Mittelrhein, im ersten Jahr gegen die SG Arheilgen (heute FCA Darmstadt), den FV Biebrich 02, den SC 05 Darmstadt (ein Vorgänger des SV Darmstadt 98), Mombach 03 und Germania Pfungstadt.

1906 trat geschlossen der FC Viktoria Mainz bei. Bereits 1909 spielten neben etlichen Jugendspielern 28 Mann für die 05er. Zunächst mussten die Fußballer noch die Tore die Gaustraße hinauf schleppen, um außerhalb der Festungsmauern spielen zu dürfen. 1909 zogen sie in die Radrennbahn um, deren Konturen zwischen Drususwall, Fort Elisabeth und Fichteplatz heute noch teilweise zu erahnen sind. Zum Weihnachtsspiel gegen den elitären Ludwigshafener FC Pfalz gab es erstmals einen Kartenvorverkauf und Plakatierung. Es gab erste vierstellige Zuschauerzahlen. Schließlich bauten die 05er 1910 mit viel Handarbeit und der Unterstützung des Pionierbataillons 25 auf einem ehemaligen Bahngelände an der Ecke Rheingauwall/Hattenbergstraße zwischen der Neustadt und Mombach ihren ersten eigenen Fußballplatz.

Noch eine Fusion

Finanziell hätte das den jungen Verein nahezu ruiniert. Um überleben zu können, fusionierten die 05er 1912 mit dem MFC Hermania 07, der fünf Jahre zuvor aus dem Hauptverein ausgetretenen Fußballabteilung des MTV 1817. Nur kurz hieß der Klub nun 1. FC Hassia-Hermania 05, bald wurde er umbenannt in 1. Fußballverein Mainz 05. Im Ersten Weltkrieg brach der Spielbetrieb zunächst zusammen. Fast alle der zu Kriegsbeginn 128 Mitglieder wurden vom Militär eingezogen. Insgesamt verlor der Verein in den vier Kriegsjahren 26 Mitglieder. Ihr Fußballplatz wurde beschlagnahmt und zum Kartoffelanbau zweckentfremdet, die Holzbauten abmontiert und verheizt. Die 05er kooperierten im Krieg mit dem SV Mainz 08, einem Klub aus dem Gartenfeld, der sich 1919 offiziell dem einstigen Rivalen anschloss. Dieser hieß von da an 1. Mainzer Fußball- und Sportverein 05.

Am Fort Bingen

Der Krieg war seit dem 11. November 1918 vorbei. Ein gutes Vierteljahr später hatte das französische Militärgouvernement den Mainzer Vereinen erlaubt, wieder Fußball zu spielen. Die 05er durften zunächst den Schützenfestplatz benutzen, bekamen dann den ehemaligen Exerzierplatz am Fort Bingen zugewiesen, am Ort des heutigen Forums der Universität, wenige hundert Meter südlich des Stadions am Bruchweg. Dort weihten sie am 19. Oktober 1919 ihre neue Kampfbahn ein, die sie im Laufe der 1920er zu einem modernen Fußball- und Leichtathletikstadion mit 12.000 Plätzen ausbauten. Nach sportlich wechselhaften Jahren gelang dem Klub 1927 erstmals die Teilnahme an der Endrunde um die Süddeutsche Meisterschaft. Gegen die SpVgg Fürth gab es ein 0:8 und ein 1:5, gegen den VfB Stuttgart zuhause ein 2:1, auswärts aber ein 0:5. Und gegen den großen 1. FC Nürnberg mit den Weltklassespielern Hans Kalb, Heiner Stuhlfauth und "Bumbes" Schmidt ein 3:3. Von diesem Spiel am 20. März 1927 schwärmte man in Mainz noch Jahrzehnte später.

Die NS-Zeit

Neues Ligasystem und Abstieg

Mehrmals holten die Mainzer den Titel in der Bezirksliga Hessen. Auch 1933 haarscharf vor Wormatia Worms. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Dritte Reich schon begonnen. Adolf Hitler war einen Tag nach dem 1:4 der 05er gegen den FSV Frankfurt am vierten Endrundenspieltag zum Reichskanzler ernannt worden, die "Reichstagsbrandverordnung", die Bürgerrechte außer Kraft setzte, war zwei Tage nach dem Mainzer 3:4 beim Karlsruher FC Phönix am siebten Spieltag erlassen worden, das "Ermächtigungsgesetz", das dem Parlament seine gesetzgebende Funktion nahm, zwischen dem 5:0 im Rückspiel und dem 1:1 bei den Stuttgarter Kickers am 10. Spieltag. Im Sommer organisierte die NS-Regierung den Sport um. Im Fußball gab es ein neues, viel strafferes Ligasystem: Zwei- statt wie zuvor dreistufig, mit 177 statt wie bisher rund 500 Erstligisten. Mainz 05 war als Hessenmeister für die Gauliga Südwest qualifiziert, die sich über den Großraum Frankfurt/Wiesbaden/Mainz, Rheinhessen, die Rheinpfalz und das Saargebiet erstreckte. Trotz hoher Siege gegen die heutigen Rivalen 1. FC Kaiserslautern (8:2, aber auch 0:7) und Eintracht Frankfurt (7:3) stiegen die 05er ab.

Sportgelände beschlagnahmt

Im Sommer 1937 verloren die 05er ihr Stadion: Das gesamte Sportgelände am Fort Bingen wurde beschlagnahmt zugunsten eines Kasernen-Neubaus. Auf dem Platz des MTV 1817 stiegen die enteigneten Mainzer sportlich in die 3. Liga ab; durch eine Ligareform blieben sie doch zweitklassig. 1938 sollte wie in vielen deutschen Städten auch in Mainz per Regierungsdekret ein Großverein durch den Zusammenschluss konkurrierender lokaler Klubs gebildet werden. Die Fusion der 05er mit der Sportgemeinde Mainz und dem ursprünglich kommunistischen Altstadtklub Herta BSC scheiterte am Veto der Herta, wofür die zwar offiziell „judenfreien“, aber immer noch als „Judenverein" geltenden 05er verantwortlich gemacht wurden. Formal wegen Schulden von 1500 Reichsmark wurden sie vom Spielbetrieb ausgeschlossen. Der Versuch, den erfolgreichsten Mainzer Fußballklub zu einem nationalsozialistischen Vorzeigeverein zu machen, war spätestens jetzt gescheitert.

Dank alter Verbindungen durften sich die 05er schließlich dem Reichsbahn-TSV anschließen. Der neue Reichsbahn SV Mainz 05 bezog das 1929 eröffnete städtische Stadion am Bruchweg, spielte 1941 ein letztes Mal um den Aufstieg in die Gauliga, musste aber kriegsbedingt den geordneten Spielbetrieb bald aufgeben. Im Herbst 1944 fanden in Mainz die letzten Fußballspiele statt. Im folgenden März trafen die US-Truppen in Hechtsheim ein und stellten die zerstörte Stadt unter ihre Kontrolle. 76.000 Einwohner hatte Mainz noch. 80 Prozent der Bausubstanz waren zerstört, darunter das Stadion am Bruchweg. 1,5 Millionen Kubikmeter Trümmer lagen überall herum. Und von der jüdischen Gemeinde, in der die 05er manche ihrer Wurzeln hatten, waren nur noch 59 Personen übrig. Eugen Salomon zählte nicht zu ihnen. Der langjährige Funktionär und Ex-05-Präsident war bereits 1942 in Auschwitz ermordet worden.

Nachkriegsjahre

Neugründung

Von der französischen Militärregierung, die im Juli die Kontrolle über die Stadt übernommen hatte, wurde die Neugründung der Vereine im Herbst grundsätzlich zugelassen. Schon an Allerheiligen gab es das offenbar noch illegale, aber geduldete erste Nachkriegsspiel der 05er - 1:1 beim MTV 1817. Kurz vor Weihnachten entstand eine erste Liga für Vereine der nördlichen französischen Besatzungszone. Die 05er, zusammengestellt aus ein paar Vorkriegsveteranen und ein paar jungen Spielern, mühten sich redlich, wurden aber Letzter. Weil aber immer mehr Vereine in der Region ihre Ansprüche anmeldeten, wurde die Liga nach nur einer Saison aufgelöst und neu organisiert. Vieles war noch Improvisation, aber Mainz 05 hatte den Krieg überstanden und war auf einem guten Weg, wieder ein bedeutender Klub in der Region zu werden.

Kreuz und quer durch den Südwesten

Für den Wiederaufbau des Mainzer Fußballs nach dem Zweiten Weltkrieg war der Sommer 1949 ein wichtiger Schlüsselmoment. Der FSV Mainz 05 übernahm als Pächter die städtische Kampfbahn am Bruchweg, wo er bereits im Jahr vor dem Krieg gespielt hatte, und machte sich sofort an die Wiederherstellung und Modernisierung des demolierten Stadions. Die Pläne waren groß: erst 25.000, dann sogar 30.000 Plätze, Rasen, Tribünendach. Weil erhoffte Zuschüsse nicht kamen und die Stadt nur durch kostenlose Anfertigung der Pläne und Vermessung der vorhandenen Bausubstanz helfen konnte, mussten sich die 05er mit 20.000 Plätzen begnügen. Für Dach und Rasen war kein Geld da. In der frühen Wirtschaftswunderzeit kamen auch die Zuschauer zurück: durchschnittlich 4.000, gegen Worms 8.000, gegen den FCK sogar 12.000.

Sensation gegen den FCK

Sportlich lief es nicht allzu gut bis zum Sommer 1953. Der Ungar Emil Izsó, den Bundestrainer Sepp Herberger empfohlen hatte, brachte Ordnung in die Mannschaft. Drei der vier Neuzugänge waren Volltreffer: der große Weisenauer Torjäger Franz Mattes, der bald zum Abwehrspieler umgeschult wurde, Werner Sommer aus der eigenen Jugend, der bis in die 1960er Leistungsträger im Mittelfeld war, und der Schlesier Walter Sonnenberger, der unter Herberger schon an einem Nationalmannschaftslehrgang teilgenommen hatte. Sommer und Sonnenberger waren neben Klar-Heinz Wettig die Schlüsselfiguren bei der größten Sensation der Mainzer Oberligazeit: Sommer glich gegen den FCK vor 20.000 Zuschauern den frühen Rückstand umgehend aus. Der FCK (mit den späteren Weltmeistern Fritz und Ottmar Walter, Horst Eckel und Werner Kohlmeyer - nur Horst Liebrich fehlte) ging wieder in Führung, Wettig glich wieder aus, der gefährliche Freistoßschütze Sonnenberger traf nach der Halbzeit zur 3:2-Führung. Durch zwei weitere Wettig-Tore gewannen die 05er 5:2.

1959 übernahm Heinz Baas das Traineramt und brachte seiner Mannschaft im Laufe mehrerer Jahre ein modernes 4-2-4-System bei, das ursprünglich aus Brasilien stammte. Damit waren die 05er auf dem Platz wesentlich flexibler als ihre Gegner, die mehrheitlich im alten starren WM-System spielten. Im zweiten Jahr nahm Heinz Baas den zweiten großen Umbruch vor. Das System stand, jetzt kam das Personal selbst an die Reihe. Neun Spieler gingen, darunter mit Lothar Buchmann, Gerhard Bergner, Bernhard Christ und Willi Hollerbach einige langjährige Leistungsträger. Die Abwehr mit Norbert Liebeck, Carlo Storck, Helmut Müllges, Willi Jakobi und Ulrich Rother war das Prunkstück der Mannschaft, die am Saisonende mit Platz fünf die beste Platzierung der Oberligazeit schaffte.

1963 begann schließlich eine neue Ära im deutschen Fußball mit der Einführung der Bundesliga. Für die Mainzer änderte sich nichts. Ihre Liga hieß jetzt halt „Regionalliga", war nur noch zweitklassig.

Pokalhelden

Diese Goldene Generation der 05er erreichte 1965 ihren Höhepunkt. Weiter verstärkt durch den knallharten Verteidiger Heinz Wassermann, den Außenstürmer Ulli Meyer und den Mittelstürmer Charly Tripp sorgten die 05er im DFB Pokal für bundesweites Aufsehen. In der ersten Runde kam der spätere Deutsche Meister Werder Bremen nach Mainz und verlor durch Meyers Tor 0:1. Das Spiel stand kurz vor dem Abbruch, als der Bremer Max Lorenz das Mainzer Tor umriss, aber die Spieler flickten das Gehäuse selbst wieder zusammen. Im Achtelfinale gaben die 05er gegen den Titelverteidiger München 1860 eine 2:0-Führung ab. Das Wiederholungsspiel in München gewannen sie sensationell 2:1. Und am Fastnachtssamstag gab es einen Zuschauerrekord, der für den Bruchweg heute noch gilt: Dank einer Zusatztribüne sahen 24.000 Fans die 0:3-Niederlage gegen den 1. FC Nürnberg.

 

An der Grenze zum Profisport

Die 70er Jahre

Werner Höllein übernahm 1971 den Vorsitz bei den 05ern. Unter seiner Führung änderten sich die Verhältnisse. Der Verein war in dieser Phase im Grunde pleite. Die Infrastruktur war schlecht, das Zuschauerinteresse mit einem Schnitt von unter 2.000 in den Jahren 1968/69 und 1969/70 unbefriedigend. Hilfe kam indirekt von der Stadt. Oberbürgermeister Jockel Fuchs akquirierte Blendax als ersten Großsponsor, so dass die 05er ganz groß einkaufen konnten. Diese Partnerschaft - eher Mäzenatentum als Sponsoring - ging fünf Jahre lang gut.

Als erstes tauschten die 05er den Trainer aus. Der Verein stellte den 32-jährigen Bernd Hoss als hauptamtlichen Trainer ein. Aus Nürnberg kamen der Vorstopper Willi Löhr und der Außenstürmer Herbert Renner und vom HSV der Rheingauer Torjäger Gerd Klier. Das Team belegte den vierten Platz in der Regionalliga Südwest. Hoss machte es nun ähnlich wie Heinz Baas zwölf Jahre vor ihm: Im ersten Jahr Grundlagen schaffen, im zweiten Jahr ernstmachen. 1972 wurde Wolfgang Kneib, der sich vorher mit Wolfgang Orben abgewechselt hatte, nach überstandenem Knöchelbruch Stammtorwart. Herbert Scheller war Libero, vor ihm standen die drei Manndecker Jürgen Richter, Willi Löhr und Jürgen Janz. Im Mittelfeld spielten außen Göppl und Schmidt, das Zentrum teilten sich Peter Scherer und der dänische Nationalspieler Torben Nielsen. Im Sturm fing der Weisenauer Jochen Dries neben Klier und Renner an, aber weil er nach einem Autounfall monatelang ausfiel, übernahm ein weiterer Neuzugang, der Ex-Braunschweiger Manfred Kipp. Jetzt hatten die 05er eine Zweitliga-Spitzenmannschaft, auf jeder Position herausragend besetzt. Die gleichwertigen Torjäger Klier, Kipp und Renner bildeten den legendären 54-Tore-Sturm: Klier schoss 19 Treffer, Renner 18, Kipp 17. Am Saisonende waren die 05er Südwestmeister. In der Bundesliga-Aufstiegsrunde war Fortuna Köln Topfavorit, die Mainzer der zweite ernsthafte Kandidat für den Aufstieg. Sie fingen zuhause sehr gut an, schossen den FC St. Pauli 3:0 ab, schossen Blau-Weiß 90 Berlin 5:1 ab, schossen auch den Karlsruher SC 4:1 ab, verloren aber in Köln 0:3. Fortuna Köln stieg in die Bundesliga auf - und sofort wieder ab.

In die neue 2. Bundesliga

Für die 05er reichte es, um 1974 in die neue zweigleisige Zweite Bundesliga aufgenommen zu werden. Worauf die Mainzer noch einmal ganz groß einkaufen gingen. Aber obwohl sie mit Verteidiger Herward Koppenhöfer, der mit 28 Jahren schon über 200 Bundesligaspiele absolviert hatte und mit Bayern München 1971 Pokalsieger und 1972 Deutscher Meister war, mit Libero Gerd Schwickert, mit Sigi Köstler und Werner Nickel auf der linken Seite und mit Spielmacher Franz-Peter März eine sehr gut besetzte Mannschaft beisammen hatten, kamen sie nie so richtig in die Gänge. Auch nachdem Gerd Menne Nachfolger von Trainer Uwe Klimaschefski geworden war, lief es nicht besser.

1975 wurden die 05er Elfter, 1976 Zwölfter mit gewaltigen 81:92 Toren den meisten Toren und den zweitmeisten Gegentoren der Liga. Am 25. März 1976 - Trainer war mittlerweile der ehemalige 05-Spielmacher Horst Hülß, weil Menne im Winter hingeschmissen hatte und nach Augsburg gewechselt war - fand eine außerordentliche Generalversammlung statt, bei der herauskam, dass die 05er 600.000 Mark Schulden hatten. Viele Verträge wären zum Saisonende ausgelaufen, insgesamt forderten die betreffenden Spieler für die Verlängerungen über 600.000 Mark Handgeld - weit mehr als das Doppelte der Zuschauereinnahmen, denn die meisten Spiele hatten weniger als 3.000 Fans gesehen. Klar war: Die nächste Saison wäre kaum zu finanzieren.

Rückzug in die Amateurliga

Der Lizenzantrag wurde immer wieder vertagt. Im Juni entschied der Verwaltungsrat, dass das Maß überschritten war. Weitere Schulden würden die Existenz des Vereins gefährden. Hauptsponsor Blendax bot an, die Schulden zum Teil zu übernehmen, unter der Bedingung, dass der Verein auf die Zweitligalizenz verzichte. Mainz 05 zog sich zurück in die Amateurliga. Der Verein war kaputt, aber noch am Leben.

Immerhin kam jetzt endlich die Jugendarbeit in Gang. 1977 standen die A- und B-Junioren im Halbfinale um die Deutsche Meisterschaft, wovon bald die erste Mannschaft profitierte. Ali Oehrlein war der erste Leistungsträger aus der Jugendmannschaft, Siggi Iser und Charly Mähn folgten 1978. Prompt wurden die 05er zwei Jahre nach dem Abstieg erstmals Südwestmeister - verloren aber in der Aufstiegsrunde alle vier Spiele.

Die Jughard-Jahre

1980 stieg Jürgen Jughard ein. Jughard war Generalbevollmächtigter des größten Leasingunternehmens Europas und hatte gerade erst mit viel Geld die SG Harxheim bis in die vierte Liga gehievt. Er versprach, auch die 05er wieder groß zu machen, wenn sie ihn zum Vereinschef beförderten. Im ersten Jughard-Jahr wurden die 05er erneut Meister, aber just in dieser Saison war das wertlos: Der DFB reduzierte die Zweite Liga 1981 auf eine Staffel, Aufsteiger aus der dritten Liga gab es nicht. Im zweiten Jahr legte Jughard richtig los: Aus Pirmasens kamen die torgefährlichen Techniker Karl-Heinz Halter und Helmut Wagner. Aus Kastel kam die 05-Legende Bimbo Bopp zurück. Und von 1860 kam sogar ein Bundesliga-Stammspieler zurück, der große Herbert Scheller. Die 05er hatten nun die überragende Abwehr der Oberliga und einen Sturm, der jeden Gegner wegfegte - bis auf den FC Homburg. Hinter diesem wurden sie Vizemeister. Homburg spielte um den Zweitliga-Aufstieg und scheiterte. Die 05er waren dafür bei der Amateurmeisterschaft dabei.

Im Viertelfinale war Viktoria Köln kein Problem - zweimal gewannen die 05er 4:1. Gegen Hertha Zehlendorf setzten sich die 05er mit 1:0 und 3:2 durch. Im Finale, dem Heimspiel gegen die Amateure von Werder Bremen, holte sich die Mannschaft den Titel des Deutschen Amateurmeisters mit dem 3:0-Sieg dank der Tore von Charly Mähn (2) und Ludwig Scherhag.

Rückweg in den Profifußball

Wichtiges Transferjahr

1984 wurde Horst-Dieter Strich, der 05-Torwart der Saison 1962/63 neuer Trainer. 1985 dann ein wichtiges Transferjahr für die 05er: Ohne den allergrößten Aufwand holten sie auf einen Schlag einige langjährige Leistungsträger. Michael Schuhmacher war schon seit einem Jahr da, jetzt folgten der Rückkehrer Charly Mähn aus Freiburg, die Mittelfeldspieler Micky Becker und Hendrik Weiß, die Verteidiger Michael Schmitt und Michael „Schorsch“ Müller. Das funktionierte nicht auf Anhieb. 1987 schlossen die 05er drei wichtige personelle Lücken: Von Wormatia Worms kam der beste Südwest-Torwart, Stephan Kuhnert, vom FCK das Mittelfeldtalent Frank Haun. Und vorne hatten die 05er einen Topmann an der Angel: Norbert Hönnscheidt vom 1. FC Saarbrücken. Das Problem: Die Vereine einigten sich nicht über die Ablöse. Saarbrücken erteilte keine Freigabe, Hönnscheidt musste erst eine sechsmonatige Reamateurisierungssperre absitzen und anschließend eine sechsmonatige Wechselsperre. Die ersparten die 05er ihm und sich, indem sie ihn im Winter doch noch freikauften - für mehr Geld, als sie sich leisten konnten. Finanziell war der Verein damit schon wieder am Ende.

Monatelang flossen keine Gehälter. Einzelne Spieler meldeten sich beim Trainer ab, er solle ohne sie planen. Strich musste sie immer wieder überreden, keine Dummheiten zu machen. Sie würden schon Meister werden, und dann auch das Geld bekommen.

Hönnscheidt-Tor macht alles klar

Tatsächlich führte Eintracht Trier lange mit einem komfortablen Vorsprung die Liga an. Die Trierer begannen jedoch zu schwächeln, dank Hönnscheidt, der endlich spielen durfte und regelmäßig traf, gewannen die Mainzer ein Spiel nach dem anderen. Am vorletzten Spieltag kam Trier zum Showdown nach Mainz und verlor die Tabellenführung. Dreimal führten die 05er. Zweimal glich Trier aus, aber auf Charly Mähns 3:2 kam keine Antwort mehr. In der sehr gut besuchten Aufstiegsrunde, in der bei jedem Heimspiel weit über 10.000 Zuschauer im Stadion waren, schoss Hönnscheidt die 05er 1988 in die Zweite Liga zurück.

Die war für die 05ER allerdings zu groß. Es gab dramatische Verletzungsprobleme: Hönnscheidt fiel mit dreifachem Bänderriss bis Oktober aus und schoss nur sechs Saisontore. Petar Kurdow, der nachverpflichtete bulgarische Starstürmer, wurde auch wegen einer Knie-OP nie der erhoffte Torjäger. "Schorsch" Müller verpasste wegen Adduktorenproblemen die Rückrunde, Patrick Mohr fehlte monatelang nach einem Knöchelbruch, Micky Becker musste die Saison mit einem angerissenen Kreuzband vorzeitig beenden und Michael Schmitt erwischte es besonders schlimm: Kreuzband-, Innenband- und Meniskusriss, Karriereende.

Fast ohne zweitligataugliche Stürmer (nur Mähn schoss elf Tore), ohne diese Stammspieler und in der Rückrunde mit einer erschreckenden Auswärtsschwäche - die Pirmasenser Legende Robert Jung, Trainer ab der Rückrunde, verlor bis auf sein Debüt (2:2) und das letzte Spiel (0:7) alle Auswärtspartien mit drei Toren Unterschied - stiegen die 05er ab. Jungs Vorgänger Horst Hülß musste zugeben: „Der Feierabendprofi war ein totgeborenes Kind." Vollprofitum hatten sich die 05er in der schwierigen wirtschaftlichen Lage nicht leisten können.

 

Umbruch & Zweitliga-Rückkehr

Harald Strutz wird Vorsitzender

Dennoch ereignete sich in dieser Saison 1988/89 ein wichtiger Umbruch im Verein: Auf der Jahreshauptversammlung im Oktober stolperte Präsident Bodo Hertlein über seine Privatfehde mit dem Meistertrainer Strich, der nach dem Aufstieg wegen Hertlein gegangen war. Nachfolger wurde der spontan zur Wahl gestellte Jurist Harald Strutz (damals 37 Jahre alt), der Sohn des Ex-05-Präsidenten Walter Strutz. Der damals gewählte Vorstand sollte bis 2017 im Amt bleiben.

„Husarenritt" nannte Robert Jung die Rückkehr in den Profifußball. Mit gefürchteten aggressiven Konzeptfußball - tief im Raum stehen, den Gegner kommen lassen, auf eine kaum zu durchdringende Abwehr laufen lassen und dann explosiv kontern. Der Höhepunkt: Stephan Kuhnerts „Tor des Monats“ beim 3:0 gegen Borussia Neunkirchen, ein Abschlag aus der Hand. Am Ende waren 62:6 Punkte mit 93:20 Toren ein staffelübergreifender Rekord in der drittklassigen Oberliga.

In der Aufstiegsrunde mit den Schweinfurtern, Reutlingern und Rot-Weiß Frankfurt standen die Mainzer schon nach vier Spielen und vier Siegen als Aufsteiger fest. In der dritten Partie, dem 2:1 in Frankfurt, begegneten sie erstmals einem ihrer größten Helden: Dem 22-jährigen Rot-Weiß-Stürmer Jürgen Klopp.

Nach dem Aufstieg vermieden die 05er den Fehler, den sie beim vorigen Zweitliga-Anlauf gemacht hatten. Sie achteten darauf, die Halbprofi-Mannschaft mit dem wenigen vorhandenen Geld durch Berufsspieler zu stabilisieren. Diesmal klappte es: Mit vier Neuen mit Zweitliga-Erfahrung (Stürmer Gernot Ruof aus Kassel, Verteidiger Victor Lopes aus Ulm und die Offensivspieler Aaron Biagioli und Fabrizio Hayer aus Essen), vor allem aber mit den beiden Riesen Klopp und Steffen Herzberger wurden die 05er als Achter bester Aufsteiger der Saison.

Neuordnung der Liga

Den folgenden Abstiegskampf hätten die 05er fast frühzeitig vermieden. Um ein knappes Jahr nach der deutschen Wiedervereinigung die Ostvereine in den gesamtdeutschen Fußball einzugliedern musste der DFB experimentieren. Es gab zum ersten und letzten Mal eine zweigleisige und zweistufige 2. Bundesliga: Im Norden wie im Süden wurden zwölf Vereine nach 22 Spieltagen auf jeweils eine Auf- und eine Abstiegsrunde aufgeteilt. Die 05er kamen gut in die Saison, verloren in der Hinrunde der ersten Phase nur eins von elf Spielen (gewannen aber auch nur zweimal, darunter 5:0 in Erfurt mit vier Toren von Klopp), verpassten aber schließlich die Aufstiegsrunde um drei Punkte. Stattdessen mussten sie in einen knallharten Abstiegskampf. Ohne große Verstärkungen - Manndecker Holger Greilich, Rechtsaußen Thomas Zampach und Stürmer David Wagner waren schon da, setzten sich aber erst in der folgenden Saison durch, verloren die 05er vier der ersten fünf Spiele, stellten aber durch Fabrizio Hayers legendäres Freistoßtor im Zentralstadion in Leipzig zum 1:0 in der letzten Minute den Anschluss wieder her, holten nach dem Punkt beim TSV München 1860 Siege gegen Erfurt und Halle, so dass es am Ende nicht mal mehr eng wurde.

Es folgte die intensivste Saison der deutschen Fußballgeschichte. Die beiden Zwölferligen wurden wieder zusammengelegt, aber noch nicht reduziert. 24 Vereine spielten an 46 Spieltagen gegeneinander. Es gab fünf Englische Wochen in den ersten zwei Monaten, 25 Spiele bis zur Winterpause. Und sieben Abstiegsplätze.

Die Mainzer hatten einen neuen Trainer, den Kroaten Josip Kuze, der gemeinsam mit dem erfahrenen Mittelfeldspieler Zeljko Buvac aus Erfurt gekommen war. In der langen Zweitligazeit der 05er sollte diese Saison 1992/93 eine der wenigen bleiben, in denen die 05er vom ersten bis zum letzten Spieltag nie etwas mit dem einen oder anderen Tabellenende zu tun hatten.

 

Turbulente 90er Jahre

Die 20er Liga

1993 machte die 2. Bundesliga wieder den ersten vorsichtigen Schritt zurück in die Normalität. Die Zweite Liga spielte ab da nur noch mit 20 Vereinen und wurde mit fünf Abstiegsplätzen weiter reduziert auf die heute gewohnten 18 Klubs. Ein Jahr später fanden sich die 05er zurück im Abstiegskampf, trotz guter Einkäufe: Mittelfeldarbeiter Bruno Akrapovic, Flügelspieler Christian Hock, Manndecker Peter Neustädter sowie die beiden Offensivkünstler Thomas Ziemer und Abderrahim Ouakili. Doch es funktionierte nicht. Kuze musste nach neun Spielen (von denen er nur zwei gewonnen hatte) gehen. Co-Trainer Hermann Hummels übernahm und trat nach einer knappen halben Saison zurück. Horst Franz, ein Trainer alter Schule, sollte nun die 05er vom vorletzten Platz auf einen Nichtabstiegsplatz bringen.

Wo der genau lag, war unklar. Vor dem drittletzten Spieltag gab es vier Lizenzverweigerungen, wodurch der sportliche Abstieg komplett ausgefallen wäre. Vor dem vorletzten Spieltag bekamen der 1. FC Nürnberg und Hertha BSC in zweiter Instanz doch die Lizenz. Mit sieben Punkten Vorsprung wären die 05er weiterhin gerettet gewesen, aber die Gefahr bestand, dass auch der 1. FC Saarbrücken und Dynamo Dresden in ihren Ligen hätten bleiben dürfen. Im Fernduell um Platz 14 schossen die 05er am letzten Spieltag den Tabellenletzten FSV Frankfurt 7:1 ab - bis heute ihr höchster Sieg seit 1980.

Die Ära Frank

Mythos der Unabsteigbarkeit

Doch für den Retter blieb fortan der Erfolg aus. Und eine bis heute noch unfassbare Saison nahm ihren Lauf. Franz musste gehen, Interimstrainer Manfred Lorenz verlor auch das achte Spiel zu Null und holte im neunten den ersten Sieg - 2:0 gegen Wattenscheid. Für das zehnte Spiel war erstmals Wolfgang Frank zuständig. Der Rest ist Legende: Ein tobender Abstiegskampf, der jahrelang als Präzedenzfall genannt wurde, wenn es mal wieder schlecht aussah, und der den Mythos der Mainzer Unabsteigbarkeit begründete. Mit dem langjährigen Bundesligaprofi Lars Schmidt schaffte Frank weitere Siege, ging aber dennoch als Tabellenletzter in die lange Winterpause. In diesen drei Monaten krempelte Frank alles um: Frank schaffte den Libero ab und führte das in Deutschland noch weitgehend unbekannte 4-4-2 des italienischen Meistertrainers Arrigo Sacchi ein, das viele Jahre lang die Basis des Mainzer Fußballs bildete.

Frank war auch ein Visionär, der mitten im Abstiegskampf vom mittelfristigen Aufstieg in die Bundesliga sprach, bauliche Maßnahmen im Stadion anschob, den kompletten Verein modernisieren wollte. Sportlich rettete er die 05er im größten Abstiegskampf aller Zeiten aus der aussichtslosen Lage: Am vorletzten Spieltag verließ die Mannschaft erstmals in der Saison durch ein 3:0 beim Tabellendritten MSV Duisburg (dessen Aufstieg vor dem Spiel noch nicht fest stand!) die Abstiegsplätze. Das 1:0 schoss ein Stürmer, der im Laufe der Rückrunde aus dem Nichts wieder aufgetaucht und zum Torjäger geworden war: Sven Demandt. Durch das 1:0 von Franks Winter-Neuzugang Marco Weißhaupt gegen den Zweitligameister VfL Bochum retteten sich die 05ER endgültig in eine neue Zweitligasaison - als Rückrundenmeister.

Mit Saftig nach Wolfsburg

Die Siegesserie der mit Adrian Spyrka, Steffen Herzberger, Miroslav Tanjga verstärkten Mannschaft ging in der neuen Saison fast ungebremst weiter, die 05er überwinterten als Tabellenzweiter, aber nach zwei Auftaktniederlagen nach der Winterpause trat der Trainer, der bereits bei einem Durchhänger im Herbst seine Unzufriedenheit gezeigt hatte, überraschend zurück. Reinhard Saftig, der erfahrene Ex-Trainer von Borussia Dortmund, Bayer Leverkusen, Galatasaray und kurzzeitig Bayern München, sollte den Aufstieg vollenden. Vor dem letzten Spieltag hatten sich die 05er in eine klare Ausgangssituation gebracht: Ein Sieg beim direkten Konkurrenten VfL Wolfsburg, egal wie hoch, würde sie in die Bundesliga bringen. Wolfsburg würde ein Unentschieden reichen. Sven Demandt brachte die 05er früh in Führung, aber links hinten war Steffen Herzberger gegen den quirligen Roy Präger überfordert. Der schoss zwei Tore, holte zwei Elfmeter heraus und provozierte Herzbergers Platzverweis. Wolfsburg gewann das turbulente Spiel 5:4.

Rückkehr & Rettung

In der neuen Saison trennte sich der Klub nach vier Spielen und vier Punkten von Saftig. Erst nach mehreren Wochen kam der Österreicher Didi Constantini als Nachfolger. Der Schüler von Ernst Happel führte die Viererkette wieder ein, stellte aber als Absicherung einen Libero (meist den Neuzugang Jürgen Kramny) dahinter. Der Erfolg blieb Constantini verwehrt: zu vielen Unentschieden. Nach einem 1:3 gegen Wattenscheid im April gab der glücklose Trainer auf. Und Frank kam zurück. Bei seinem ersten Spiel, dem 2:1-Sieg bei den Stuttgarter Kickers am Ostersonntag, wurde der Trainer, der kurzerhand bei Austria Wien gekündigt hatte, von den 05-Fans mit "Messias"-Sprechchören begrüßt und rettete die 05er aus dem Abstiegskampf.

Allerdings vermochte Franks danach nicht mehr viel zu bewegen. Die Hinrunde lief noch gut: Im Pokal gewannen die 05ER gegen den Hamburger SV und Hertha BSC, ehe sie in einem legendären Auswärtsspiel bei Bayern München - zwei Tage vor Heiligabend waren die 8.000 Mainzer bei minus 15 Grad im Olympiastadion in klarer Überzahl gegen die 3.000 einheimischen Zuschauer - im Viertelfinale ausschieden. In der Liga aber ging es bergab. Am 29. Spieltag standen die 05er nach der inzwischen obligatorischen Niederlage in Fürth auf einem Abstiegsplatz. Frank war nicht mehr dabei. Der Trainer hatte angekündigt, nach der Saison zum MSV Duisburg zu wechseln, und war im April beurlaubt worden. Sein ehemaliger Co-Trainer Dirk Karkuth brachte die Mannschaft schnell ins sichere Mittelfeld, durfte aber nicht bleiben. Ein kompletter Neuaufbau sollte gemacht werden. Mit den ersten Einsätzen der jungen Talente Michael Thurk, Manuel Friedrich und Sandro Schwarz hatte dieser bereits begonnen.

 

Die Klopp-Jahre

Vandereycken & Krautzun

Ein renommierter Belgier sollte die neue Ära einleiten: René Vandereycken. Vielleicht war der Vize-Europameister von 1980 seiner Zeit voraus. Vandereycken ließ (nach Experimenten mit der Dreierkette) etwas spielen, was dem 4-2-3-1 späterer Jahre schon sehr ähnlich sah, konnte das aber der Mannschaft, die auf das Franksche 4-4-2 schwor, nicht vermitteln. Weil er außerdem keine Rücksicht auf die Strukturen im Kader nahm, Führungsspieler wie Jürgen Klopp absägte und keine Punkte holte, wurde Vandereycken nach nur zwölf Spielen wieder entlassen.

Sein Nachfolger blieb nicht einmal so lange. Eckhart Krautzun, ein erfahrener Feuerwehrmann, brachte die Mannschaft nicht von den Abstiegsplätzen weg und hatte an Fastnacht dann Feierabend.

Heidels weitreichende Entscheidung

In dieser Stunde der Not traf Christian Heidel vielleicht seine beste Entscheidung als 05-Manager. Heidel wurde zunächst von den überregionalen Medien dafür verspottet, einen gerade verletzten Profi kurzerhand zum Chef zu ernennen: Jürgen Klopp, der mit 19 von möglichen 21 Punkten dem katholischen Mainz die umjubelste Fastenzeit von allen bescherte.

Eigentlich hatte sich Heidel mit Klopp, der zunächst nur die Verantwortung für zwei Spiele bekommen hatte, ein bisschen Zeit für die Trainersuche beschaffen wollen. Daraus entwickelte sich die erste unkonventionelle Trainerwahl in Mainz, ein Modell, das den 05ern seither immer wieder Erfolg brachte, das seither auch viele andere Klubs als Vorbild nennen, wenn sie vom althergebrachten Trainerkarussell absteigen. Klopp gewann nach erreichtem Nichtabstieg weiter, stellte mit den 05ern 2001/02 etliche Zweitliga-Startrekorde auf. Die noch unter Vandereycken mit Tamás Bódog, Christof Babatz und Markus Schuler, unter Krautzun mit Blaise Nkufo und nun mit Niclas und Dennis Weiland verstärkte Mannschaft, in der sich auch der junge Andrej Voronin nach einem Eingewöhnungsjahr zu einem herausragenden Zweitligaspieler entwickelte, war lange Tabellenführer, dann lange Zweiter und stand nur an vier Spieltagen nicht auf einem Aufstiegsplatz: Am ersten, dritten, fünften - und nach einer dramatischen 1:3-Niederlage bei Union Berlin am letzten. Ein Punkt hätte gereicht, ein Punktverlust des VfL Bochum hätte gereicht, ein Punktverlust von Arminia Bielefeld hätte gereicht. Die einzige Kombination, die nicht zum Aufstieg führte - Mainz verliert, Bochum und Bielefeld gewinnen - trat ein. Mainz 05 war mit 64 Punkten der beste Nicht-Aufsteiger aller Zeiten. Die Szenen danach gehören inzwischen zur Vereinsgeschichte.

Und wieder gescheitert

Und auch das, was im Folgejahr passierte, ist zur Legende geworden. Drei Minuten lang waren die 05 er nach dem 4:1 in Braunschweig in der Bundesliga, dann schoss Eintracht Frankfurt gegen den SSV Reutlingen das entscheidende 6:3, das die Mainzer wieder auf einen Nichtabstiegsplatz zurück stieß.

Jürgen Klopp machte tags drauf sein Meisterstück. Klopp stand auf einer Bühne vor dem Staatstheaters vor 5.000 Menschen und hob an zu sprechen: „Gestern hab ich mir ja noch überlegt, für was ist das alles gut, und mir ist es eingefallen, für was das gut ist: Irgendjemand hat entschieden, dass irgendwann mal gezeigt werden muss, dass man tatsächlich einmal, zweimal, dreimal, vielleicht sogar viermal hinfallen kann und immer wieder aufstehen kann, und er hat gedacht, es gibt keine bessere Stadt dafür! Oder sagt mir bitte eine Stadt, sagt mir eine Mannschaft, sagt mir irgendwelche Fans auf der Welt, die in der Lage wären, nach so einem Schmerz, wie wir es letztes Jahr hatten, so eine Saison zu spielen wie die letzte, nach so einem Schmerz, wie wir ihn gestern hatten, so eine Saison zu spielen wie die nächste - es gibt keinen anderen Verein außer Mainz 05!" Klopp, der Menschenfänger, traf die Seele der Fans und begründet in der Stunde der brutalsten Niederlage das Gemeinschaftsgefühl, das dem ein Jahr später folgenden Aufstieg zugrunde lag.

Erstmals Bundesliga

Schön war die Saison 2003/04 wirklich nicht. Die 05ER begannen gut, sie kamen nach einem Hänger im Herbst vor der Winterpause noch einmal in die Spitzengruppe, verloren aber mit nur vier Siegen von Anfang Dezember bis Mitte April den Anschluss. Nach der Niederlage in Fürth am 29. Spieltag erklärten die Mainzer den Aufstieg für verpasst. Es ging nur noch darum, die Saison in Würde zu Ende zu spielen und irgendwie die Zweitligalizenz zu finanzieren - das 2002 für die Bundesliga modernisierte Stadion und die hohen Siegprämien, die nicht zu hohen Bundesligaeinnahmen führten, hatten große Löcher in die Kasse gerissen. Aber auf einmal machten die 05ER jede Woche einen Tabellenplatz gut, hatten am Ende plötzlich wieder Aufstiegschancen. Diesmal waren sie selbst die Jäger. Sie brauchten eine Niederlage von Alemannia Aachen und bekamen sie. Sie mussten gegen Eintracht Trier gewinnen und gewannen 3:0. Dank Michael Thurk, dessen Wechsel zum Aufstiegskonkurrenten Energie Cottbus längst bekannt war. Mit zwei Treffern gegen die Trierer schoss Thurk den FSV am 23. Mai 2004 in die Bundesliga; seinen eigenen Aufstieg verhinderte der Stürmer damit.

54 Punkte hatten die 05ER am Ende. Das hatte noch nie einem Zweitligisten zum Aufstieg gereicht. Mit 64 und 62 Punkten waren sie selbst zuvor zweimal gescheitert.

Stimmungsvoller Hexenkessel

Zunächst spielte das Bundesligateam im modernisierten Bruchwegstadion, das über eine Kapazität von 20.300 Plätzen, davon ca. 10.000 Sitzplätze und knapp 10.000 Stehplätze verfügte. Alle Tribünen waren bis auf die Molitor-Tribünen überdacht. Diese unüberdachten Plätze an den Flutlichtmasten seitlich der Haupttribüne wurden inzwischen zurückgebaut. Ebenso die Sitzplatztribüne hinter dem Tor. Seit der Einweihung der Coface Arena 2011, die seit 1. Juli 2016 OPEL ARENA heißt, ist das Bruchwegstadion nun das sportliche Zentrum des Klubs. 2019 entstanden drei neue Trainingsplätze für Profis und Amateure. Das Stadion ist die Heimspielstätte für die Regionalliga- Mannschaft sowie die A-Junioren-Bundesliga. Die Haupttribüne beherbergt das Nachwuchsleistungszentrum sowie zahlreiche Büros für Trainer und Sportvorstand.

In Teilbereichen war das alte Stadion bis Ende des Jahres 2003 ausgebaut worden, zu einem stimmungsvollen Hexenkessel mit besonderer Atmosphäre. Im Mai 2009 erfolgte der Spatenstich für die neue Arena, die seit Beginn der Saison 2011/2012 knapp 34.000 Fans ein fußballerisches Zuhause und der Stadt Mainz ein neues sportliches Wahrzeichen bietet.

Am Bruchweg entstand auch der Slogan "Wir sind nur ein Karnevalsverein", mit dem der Verein bundesweites Aufsehen erregte. Und den die Anhänger auch in der Bundesliga etablierten. Zunächst waren die 05er dort eine Kuriosität. Fußballdeutschland gönnte dem Klub nach dieser tragischen Vorgeschichte von Herzen den Erfolg, ging aber gleichwohl davon aus, den ersten Absteiger zu kennen. Auf einem Abstiegsplatz landeten sie allerdings nie. Ein 5:0 gegen den SC Freiburg beendete die Serie; sein erstes Bundesligator schoss Michael Thurk, der in Cottbus nach einer schweren Verletzung kreuzunglücklich war, im Winter heimkommen durfte und seine Ablöse teils selbst zahlte. Pünktlich zum 100. Jubiläum schlugen die 05er den Tabellenführer Schalke 04 2:1, mitten in die große Jubiläumschoreo hinein fiel nach zwanzig Sekunden Fabian Gerbers Führungstor. Das überragende 6:2 beim VfL Bochum, der in seinem Stadionheft in einem Cartoon seinen eigenen 6:2-Sieg angekündigt hatte, stellte den Mainzer Klassenverbleib schon am 31. Spieltag so gut wie sicher. Am Ende gab es eine besondere Belohnung für Mainz 05: Der Bundesliga wurde über die Fair-Play-Wertung ein Startplatz im Europapokal zugelost und die 05er durch einen komplizierten Punkteschlüssel, der auch solche Dinge wie das Verhalten des Publikums berücksichtigte, als fairster, angenehmster und lustigster Bundesligist ehrenhalber in die weite Welt geschickt.

Auf nach Europa

So lernten die Mainzer die Hitze Armeniens kennen (4:0 in Frankfurt - der Bruchweg erfüllte die UEFA-Bedingungen nicht -, 0:0 in Eriwan gegen MIKA Aschtarak), so lernten sie die Sommerfrische Islands kennen (2:0 in Frankfurt und in Reykjavík gegen ÍB Keflavík), so lernten sie die Metropole Andalusiens kennen (0:0 beim späteren UEFA-Pokalsieger FC Sevilla, 0:2 in Frankfurt). Ihre zweite Bundesligasaison litt unter den Ausflügen an die entferntesten Enden des Kontinents: Erst am sechsten Spieltag gab es die ersten Punkte: Ein 2:0 beim 1. FC Kaiserslautern, den ersten Mainzer Sieg auf dem Betzenberg. Diesmal verstärkt mit dem Fürther Offensivarbeiter Petr Ruman, dem Kämpfer Milorad Pekovic im Mittelfeld und dem crazy Ägypter Mohamed Zidan vor dem gegnerischen Tor stieg der FSV auch in diesem Jahr nicht ab. Vor dem dritten Bundesligajahr fiel jedoch die Mannschaft auseinander. Nach dem 5:0 gegen den FC Liverpool in der Generalprobe und dem 2:1-Auftaktsieg gegen den VfL Bochum gelang erst im Rückspiel in Bochum der zweite Saisonsieg. Mainz 05 hatte als Tabellenletzter überwintert, mit sechs Punkten Rückstand.

Mit einem finanziellen Kraftakt, der sich über mehrere Wochen zog, holte Christian Heidel im Winter Mohamed Zidan zurück, außerdem kamen dessen Bremer Kollege Leon Andreasen und der in Europa völlig unbekannte kolumbianische Mittelfeldspieler Elkin Soto. Drei Volltreffer: Zidan schoss 13 Rückrundentore, Andreasen brachte Ordnung ins Mittelfeldzentrum. Und hätte Soto nicht nach einem Innenbandriss den kompletten März und den halben April verpasst, hätten die Mainzer wohl auch diesen Abstiegskampf bestehen können. Die ersten drei Spiele des damals noch offensiv eingesetzten Technikers hatten die 05ER auf beeindruckende Weise gewonnen. Von den sechs Spielen ohne Soto verloren sie fünf, die sie vom zehnten Platz wieder in die Abstiegszone fallen ließen.

Abschied von der Klub-Legende

Wiederaufstieg knapp verpasst

Nach dem Abstieg gelang es dem FSV, die Mannschaft weitgehend zusammenzuhalten. Nur drei Stammspieler gingen: Andreasen, der nur ausgeliehen war, sowie Friedrich und Zidan, die sehr viel Geld brachten. Der Trainer wurde nicht in Frage gestellt und die Neuzugänge waren allesamt Volltreffer: Freistoßspezialist Daniel Gunkel und der slowakische Rekordnationalspieler Miroslav Karhan fürs zentrale Mittelfeld, der Offensivverteidiger Tim Hoogland und das überragende Innenverteidigertalent Neven Subotic sowie der Torjäger Félix Borja setzten sich sofort durch, der erfahrene Innenverteidiger Bo Svensson und der serbische Torschützenkönig Srdjan Baljak nach einiger Zeit auch. Trotz erheblicher Verletzungsprobleme - zeitweise fehlten sieben Stammspieler gleichzeitig - standen die 05er immer in der Spitzengruppe der 2. Bundesliga. Die Niederlage beim 1. FC Köln am vorletzten Spieltag gab schließlich den Ausschlag gegen den Wiederaufstieg. Jürgen Klopp verabschiedete sich im Sommer nach 18 Jahren beim FSV Mainz 05 und wurde Erfolgstrainer bei Borussia Dortmund.

Klopp, nach langen Jahren als Spieler und nach sieben Trainerjahren längst zur Legende am Bruchweg geworden, hatte seinen Ausstieg vorzeitig, am Mittwoch, 9. April 2008 bekanntgegeben, verpackt als Perspektiventscheidung mit vorzeitiger Vertragsverlängerung: Im Falle des Aufstieges, kündigten Klopp und der Verein an, werde sich der Vertrag des Trainers verlängern. Nach dem verpassten Aufstieg ging die 05-Legende und sein Verein bereitete ihm einen nie zuvor dagewesenen und unvergessenen Abschied. Vor zigtausenden 05-Fans in der Mainzer City sprach Klopp mit tränenerstickter Stimme und immer wieder von den Gefühlen überwältigt die berühmten Abschiedsworte: „Alles, was ich bin, alles, was ich kann, habt ihr mich werden lassen. Ich habe hier von Christian Heidel und Harald Strutz die Chance bekommen, meinen Traumberuf zu ergreifen.

Mit Andersen wieder nach oben

Klopps Nachfolger wurde Jörn Andersen, der gerade mit den Offenbacher Kickers aus der 2. Bundesliga abgestiegen war. Der Norweger führte die 05er zunächst einmal zur erfolgreichsten Saison ihrer Geschichte. Mit nur 27 Heimpunkten, aber einer Auswärtsbilanz von elf Siegen und drei Unentschieden, der zweitbesten Auswärts-Ausbeute, die es je im deutschen Profifußball gegeben hatte, ging’s zurück in die Bundesliga. Das entscheidende Spiel war der erste Mainzer Auswärtssieg in Fürth am vorletzten Spieltag. Gleichzeitig warf Andersens Mannschaft den SV Babelsberg 03, den 1. FC Köln, den SC Freiburg und Schalke 04 aus dem DFB-Pokal - erstmals spielten die Mainzer im Halbfinale. Und Bayer Leverkusen brauchte die Verlängerung, um den Zweitligisten mit 4:1 etwas zu deutlich zu schlagen. Der junge Innenverteidiger Niko Bungert und der afrikanische Mittelstürmer Aristide Bancé, die Andersen aus Offenbach mitgebracht hatte, waren große Verstärkungen.

Die Tuchel-Jahre

Bundesliga-Startrekord

Und trotzdem musste Andersen nach dem Aufstieg gehen - nach dem missglückten Pokal-Erstrundenspiel in Lübeck und noch vor dem Bundesligastart. Thomas Tuchel übernahm. Erneut ein Cheftrainer aus den eigenen Reihen am Bruchweg. Tuchel hatte gerade erst mit den Mainzer A-Junioren das Endspiel um die Deutsche Meisterschaft gewonnen; in seinem Team spielten Jan Kirchhoff und André Schürrle. Die Bundesligakarriere des großen Taktikers begann mit einem 2:2 gegen Bayer Leverkusen. Am vierten Spieltag verloren die 05er 0:2 in Mönchengladbach und waren nur Elfter - ihre schlechteste Platzierung in den ersten beiden Jahren nach dem Aufstieg. Ein entscheidender Mann in der ersten Saisonphase war der prominente Neuzugang Andreas Ivanschitz, der lange die Scorertabelle der Bundesliga anführte.

Tuchels zweite Saison ragt bis heute aus der Mainzer Vereinshistorie heraus. Mit dem wuchtigen linken Offensivverteidiger Christian Fuchs, den Stürmern Ádám Szalai, Sami Allagui und André Schürrle und dem Spielmachertalent Lewis Holtby stellten die 05er den Bundesliga-Startrekord ein. Am Ende erreichten die Mainzer Platz fünf und die Europa League.

Gegen den rumänischen Pokalsieger Gaz Metan Medias waren die 05er hoch überlegen, aber 44:4 Torschüsse in der Addition beider Spiele brachten nur zwei 1:1 und das Aus im Elfmeterschießen. Die Bundesligasaison lief ähnlich: Die 05er gewannen zwar die ersten beiden Spiele gegen Leverkusen und in Freiburg und waren schon wieder Tabellenführer, mussten dann aber bis zum zwölften, 14. und 19. Spieltag auf den dritten, vierten und fünften Sieg warten. Die Abstiegsplätze kamen bedenklich nahe, aber wieder dank Zidan, der im Winter zum dritten Mal nach Mainz kam, verabschiedeten sich die 05er recht souverän aus dem Abstiegskampf. Der Ägypter stellte nebenbei noch einen Rekord auf: Zidan schoss in seinen ersten sechs Spielen jeweils ein Tor, was in der ganzen Bundesliga noch nie ein Winter-Neuzugang geschafft hatte.

Fast nicht verstärkt, aber auch ohne große Verluste im Kader, gingen die 05er die Saison 2012/13 an. Eine der Spielzeiten, die schnell vergessen werden. Aufsehenerregend waren eigentlich nur das Startelfdebüt des Nachwuchsspielers Shawn Parker, der beim ersten 05-Sieg bei Eintracht Frankfurt das 1:0 vorbereitete und das 2:0 schoss, das 3:0 gegen Hoffenheim, bei dem Szalai als zweiter 05er neben Zidan sechs Jahre zuvor (und als erster Ungar) drei Tore in einem einzigen Bundesligaspiel schoss, und das 1:1 gegen Werder Bremen mit einem kuriosen Rekord: Szalais Führungstor nach zwölf Sekunden ist das schnellste Bundesligator nach gegnerischem Anstoß.

Hjulmand & Schmidt

Däne folgt auf Tuchel

Die Saison 2013/14 mit der schwachen Hin- und der starken Rückrunde ist den meisten 05ern noch gut im Gedächtnis. Stefan Bell und Loris Karius setzten sich im Laufe des Jahres als Stammspieler durch, Zdenek Pospech spielte im hohen Fußballeralter von 34 Jahren mit neun Torvorlagen die Saison seines Lebens. Shinji Okazaki, Johannes Geis, Joo-Ho Park und Christoph Moritz waren klare Verstärkungen. Zuhause spielten die 05er neunmal zu Null, was in Kombination mit sechs Auswärtssiegen reichte, um als Siebter schon wieder in den Europapokal zu kommen. Und kaum einer wusste, dass schon seit Winter mehr oder weniger feststand, dass Thomas Tuchel im Sommer ausscheiden würde.

Tuchels Nachfolger Kasper Hjulmand scheiterte wohl letztlich an sich selbst, aber auf einem Abstiegsplatz standen die 05er weiterhin seit Sommer 2007 kein einziges Mal. Das änderte sich auch zunächst nicht, nachdem Martin Schmidt Hjulmand abgelöst hatte. Die Vorstellungen des Dänen und die der Mainzer Vereinsführung über die Spielweise lagen weit auseinander. Nicht wegen des Ausscheidens in der Europa League gegen Asteras Tripolis. Mit dem Schweizer Schmidt, der bis dahin die U23 trainiert hatte, kehrten die 05ER zurück zum Pressing- und Umschalt-Stil.

Mit einem 3:1-Derbysieg zum Einstand gegen Eintracht, Auswärtserfolgen in Augsburg und Freiburg dämmte Schmidt die Abstiegsgefahr. Nach Heimsiegen gegen Schalke und Köln belegte die Mannschaft schließlich mit 40 Punkten Platz elf.

Europa League & Abstiegsgefahr

Trotz des Fehlstarts mit den Niederlagen gegen Aufsteiger Ingolstadt und in Mönchengladbach folgte eine der erfolgreichsten Bundesligaspielzeiten der Mainzer überhaupt. 14 Siege, darunter das unvergessene 2:1 beim FC Bayern München und acht Unentschieden ergaben Platz sechs in der Endabrechnung mit 50 Punkten und die erneute Teilnahme im Europapokal. Obwohl das Team in den Hin- und Rückspielen gegen AS Saint Etienne, RSC Anderlecht und FK Qäbälä neun Punkte erzielte, reichte es in der kommenden Saison nur zum dritten Platz in der Gruppenphase. Die Europapokal-Strapazen hatten auch Auswirkungen in der Bundesliga der Spielzeit 16/17. Nach 21 Punkten in der Vorrunde gerieten die 05er immer mehr in den Abstiegskampf. Nach dem 0:0 am 32. Spieltag beim HSV standen sie dank des besseren Torverhältnisses vor den Hamburgern auf Platz 15. Mit dem 4:2-Erfolg im Rhein-Main-Derby in der OPEL ARENA gegen Eintracht Frankfurt setzten sich die 05er ab. Das abschließende 0:2 in Köln fiel nicht mehr ins Gewicht, der HSV schlug den VfL Wolfsburg mit 2:1 und die Wölfe mussten punktgleich mit den Mainzern, aber wegen des erheblich schlechteren Torverhältnisses in die Relegation.

Bemerkenswert war die Tatsache, dass der Schweizer Coach, obwohl die Ergebnisse zwischenzeitlich nicht gestimmt hatten, in der schwierigen Phase Rückendeckung vom Verein erhielt. Nach dem 0:1 in Freiburg Anfang April 2017 verkündete Rouven Schröder, dass Martin Schmidt definitiv bis zum Saisonende der Trainer der 05-Profis bleibe. "Martin ist und bleibt der verantwortliche Mann. Wir werden das Ding durchziehen. Wir werden diese sechs Spiele Vollgas geben, alle zusammen in einem Team. Wir haben hundertprozentiges Vertrauen in Martin. Wir sind aber alle gefordert. Martin und das Trainerteam, die Mannschaft und auch ich. Alle Verantwortlichen, damit wir Mainz 05 in der Bundesliga, wo es hingehört, drin behalten", sagte der damalige Sportdirektor. Nach dem erfolgreich bestandenen Abstiegskampf gab's dennoch den Abschied vom Trainer. Der Verein und Martin Schmidt gingen nach sieben gemeinsamen Jahren nun getrennte Wege.

 

Ein echter 05ER

Sandro Schwarz wird Chefcoach

Überraschte Gesichter gab es nicht an diesem 31. Mai 2017, als Sandro Schwarz in der Präsentations-Pressekonferenz das Podium betrat. Die Spatzen hatten es schon seit der Trennung von Schmidt von den Dächern gepfiffen, dass der bisherige U23-Trainer das Erbe des Schweizers antreten und den Bundesligisten als Cheftrainer in die kommenden Jahre führen würde. Auch wenn der Sportdirektor ausdrücklich betonte, die Installation des 38-jährigen Eigengewächses sei kein Selbstläufer gewesen. "Die Entscheidung für Sandro Schwarz ist allerdings aufgrund seiner bisherigen Arbeit im Verein und bei einem objektiven Blick auf seine Qualität eine eindeutige. Wir sind sehr froh, dass wir ihn für unseren Weg gewinnen konnten. Er verkörpert Mainz 05. Das ist das, was wir brauchen. Wir brauchen diesen Impuls, wir brauchen seine taktische Raffinesse, die er mitbringt. Er ist genau der richtige Trainer für unsere Mannschaft und unseren Verein", sagte Schröder.

Schwarz legte einen überzeugenden und emotionalen Einstieg hin, sprach von einer großen Ehre, von einer Chance, die sich mit sehr viel Dankbarkeit und sehr viel Stolz gegenüber diesem Klub anfühle. "Ich bin hier geboren. Ich habe hier selbst lange Jahre und in der Jugend gespielt. Jetzt, zum allerersten Mal als Cheftrainer und als Bundesligatrainer hier zu sprechen, ist sehr emotional. Aus dieser Emotionalität heraus ergibt sich für mich eine grundsätzliche Einstellung dazu, wie ich diesen Job sehe. Wie wir hier miteinander umgehen und dass komplett alles, was wir hier tun, für die Menschen in dieser Stadt und dieser Region ist. Wenn sie uns nicht begleiten würden, wenn sie nicht mit uns mitfiebern würden, hätte ich keine Berechtigung hier zu sein und im Fußball zu arbeiten. Ich fühle darüber hinaus die Verpflichtung Menschen glücklich zu machen, mit der Art und Weise wie wir Fußball spielen, sie mitzunehmen, sie zu begeistern", lautet das erste offizielle Statement des neuen Trainers.

Trainer mit 05-Gen

Schwarz war der einzige Bundesliga-Coach, der komplett einen Verein und eine Stadt verkörperte, mehr noch als Christian Streich in Freiburg, der aus Weil am Rhein kommt. Mehr noch als Jürgen Klopp. Das große 05-Idol (Jahrgang 1967) hatte in seiner Jugend im Schwarzwald gespielt, dann in Frankfurt und war 1990 von Rot-Weiß Frankfurt zum Bruchweg gekommen. Klopp absolvierte 325 Zweitligaspiele für die 05er bis zu jenem Fastnachtsdienstag 2001, als ihn Manager Christian Heidel vom verletzten Ersatzspieler zum Cheftrainer beförderte, der die sportliche Mainzer Neuzeit einleitete.

Schwarz (Jahrgang 1978), geboren in Mainz, verbrachte die ersten Fußballjahre auf der anderen Rheinseite in Bischofsheim und Ginsheim, kam 1995 als B-Jugendlicher zum Bruchweg, wo er seit frühester Jugend schon die Spiele der Mainzer als Fan verfolgt hatte. Der zentrale Mittelfeldspieler absolvierte über 100 Zweitligaspiele für die 05er, war aktiv an den großen Nichtaufstiegs-Tragödien beteiligt und dann am ersten Bundesliga-Aufstieg. Nach einem Ausflug zu Rot-Weiß Essen beendete er seine aktive Laufbahn in Wiesbaden, wo er als Kapitän, Co-Trainer und Trainer des Zweitligateams aktiv war. Nach seiner erfolgreichen Zeit als Regionalligatrainer beim FC Eschborn kehrte er 2013 zurück und übernahm die Mainzer U19, ein Jahr später die U23 in der Dritten Liga.

Prominente Neuzugänge

Der Kader für die Bundesliga-Premierensaison des Trainers aus dem eigenen Verein erhielt prominenten Zuwachs: Der frühere Nationaltorhüter René Adler kam vom Hamburger SV, dazu das französische Verteidiger-Top-Talent Abdou Diallo aus Monaco, Viktor Fischer aus England, Alexandru Maxim aus Stuttgart, Robin Zentner kehrte aus Kiel zurück, Ridle Baku stieg aus dem NLZ zu den Profis auf. Im Winter holten die 05er noch Anthony Ujah aus China und Nigel de Jong von Galatasaray Istanbul. Doch zum Saisonstart gab es Niederlagen zu Hause gegen Hannover und in Stuttgart. Und es wurde eine insgesamt schwierige Saison mit mehr Tiefen als Höhen. Nach der Vorrunde standen die 05er knapp über dem Strich mit zwei Punkten vor Werder Bremen und dem Hamburger SV. Den harten Abstiegskampf bestand die Mannschaft jedoch eindeutig. Mit den Heimsiegen gegen den SC Freiburg (2:0) und besonders dem 3:0-Erfolg zu Hause gegen RB Leipzig legten die Mainzer den Grundstein. Das sensationelle 2:1 bei Borussia Dortmund am vorletzten Spieltag bedeutete den vorzeitigen Klassenverbleib.

Mateta auf Torejagd

Im Folgejahr kamen Kunde Malong, Moussa Niakthaté, der Spanier Aarón unter anderem neu in den 05-Kader und waren auf Anhieb Stammspieler. Jean-Philippe Mateta, der französische Zweitliga-Torjäger, der aus Le Havre kam, erzielte in seiner ersten Spielzeit in Mainz 14 Treffer und hatte entscheidenden Anteil daran, dass diese Saison weniger dramatisch verlief als die vorangegangene. Das junge 05-Team, zu dem auch die Nachwuchsspieler Leandro Barreiro und Jonathan Burkart inzwischen gehörten, musste die Abgänge von Abdou Diallo, Yoshinori Muto und Suat Serdar dem Junioren-Nationalspieler aus dem eigenen Nachwuchs verkraften, die dem Verein allerdings erneut Rekordablösesummen im zweistelligen Millionenbereich bescherten. Am Ende standen 43 Punkte auf dem Konto und Platz zwölf.

Die Saison 2019/20 begann schlecht. Und zwar mit einer unnötigen 0:2-Niederlage beim Drittligisten 1. FC Kaiserslautern in der ersten DFB-Pokalrunde. Nicht viel besser lief es in der Bundesliga: 0:3 in Freiburg, 1:3 gegen Mönchengladbach und sogar 1:6 beim FC Bayern. Das war allerdings noch nicht der Tiefpunkt. Der folgte am zehnten Spieltag mit dem 0:8 bei RB Leipzig. Als danach auch noch das Heimspiel gegen Aufsteiger Union Berlin mit einer 2:3-Niederkage endete, bedeutet dies das Aus für Schwarz. Nach nicht ganz zweieinhalb Jahren musste der Trainer aus den eigenen Reihen gehen. Der Sportvorstand bezeichnete die Trennung als eine bewegende, emotionale Angelegenheit und als "eine Niederlage für uns alle".

Beierlorzer übernimmt

Schröder verpflichtete umgehend Achim Beierlorzer als neuen Cheftrainer. Der 52-jährige Franke, der zuvor in Köln hatte seinen Hut nehmen müssen, feierte einen überragenden Einstand mit einem 5:1-Auswärtserfolg in Hoffenheim und ist der aktuelle 05-Trainer.

Neuordnung der Vereinsführung

Heidel geht von Bord

Am 21. Februar 2016 waren die monatelangen Spekulationen hinfällig: Christian Heidel bestätigte, dass er nach der laufenden Saison nach 24 Jahren Manager-Tätigkeit definitiv aufhören und zum FC Schalke 04 wechseln werde. Mit dem 05-Vorstand hatte sich Heidel bereits einvernehmlich auf die Auflösung seines noch bis 2017 datierten Vertrages geeinigt. Damit griff in Mainz nun die geplante Nachfolgereglung: Rouven Schröder, bisher als Direktor Profifußball und Scouting bei Werder Bremen aktiv, beerbte nach der Saison Heidels Posten am Bruchweg, nachdem der künftige Sportdirektor sich bereits wochenlang bei seinem neuen Klub eingearbeitet hatte.

"Dass der Verein sich für die nächsten zehn, 20 Jahre neu aufstellen muss, ist ein Thema, das auch von mir immer forciert wurde. Dass ich dabei eine besondere Rolle spiele, ist auch klar", hatte Heidel, zu diesem Zeitpunkt der dienstälteste Manager der Bundesliga, erklärt. Der gebürtige Mainzer galt über viele Jahre als einer der gewieftesten Manager in der Liga, von dessen Verträgen die 05ER stets profitierten und der in seiner Amtszeit oft unpopuläre, aber umso wichtigere Entscheidungen getroffen hatte. Herausragend dabei natürlich die Beförderungen von Jürgen Klopp, der vom Spieler zum Trainer aufstieg, ebenso wie die von Thomas Tuchel, der als A-Jugendtrainer die Bundesliga-Mannschaft übernahm und der zusammen mit Heidel für die erfolgreichste Mainzer Bundesligazeit steht.

Strukturreform in Planung

"Es ist nicht einfach, die richtigen Worte zu finden nach einer 24-jährigen, großartigen Zusammenarbeit", sagte der damalige 05-Präsident. Der Erfolg des Klubs sei stark mit dem Namen Heidels verbunden. Strutz machte noch einmal deutlich, dass die geplante Strukturreform in Gange und in Planung sei und unabhängig von der Person Heidels intern zu diskutieren sei. "Es wird weiter gehen bei Mainz 05. Da können Sie sicher sein", sagte der 05-Chef. Der Vorstand arbeite an einem Konzept, "aber wir brauchen ein klares Votum unserer Mitglieder. Wenn wir so weit sind, werden wir das klar sagen, das Konzept offenlegen und hoffen, dass wir die Mitglieder für unsere Ideen gewinnen können." Das werde im Rahmen der Amtsperiode des Vorstands bis Herbst 2017 geschehen.

Damit begann im Jahr, in dem der Verein seinen 111. Geburtstag ausgiebig feierte und die bisherige Coface Arena ihren neuen Namen OPEL ARENA erhielt, die komplette Neuordnung bei Mainz 05. Nach zwei Informations-Veranstaltungen im Juni und September nahm die Strukturreform dann im November konkrete Formen an. In einem mehr als fünfstündigen Diskussions- und Abstimmungs-Marathon verabschiedete die außerordentliche Mitgliederversammlung mit großer Mehrheit eine neue Satzung. Darin wurde verankert, dass ein zu wählender Aufsichtsrat den Vorstand kontrolliert und dass der Vereinsvorsitzende von der Mitgliederversammlung gewählt wird. Außerdem erhält ein Fan-Vertreter einen festen Platz im Aufsichtsrat.

Strutz tritt nicht mehr an

Vor den Neuwahlen erklärte Strutz im März 2017, dass er nach 28 Jahren an der Spitze des Klubs nicht wieder für das Amt des Vorsitzenden kandidieren würde. Zuvor hatte es Kritik am langjährigen Präsidenten gegeben wegen dessen Aufwandsentschädigungen. Am Freitag, 18. September 1988 war Strutz und ein großer Teil von dessen Vorstandskollegen ins Amt gewählt worden, das schließlich für die komplette Gruppe um den 05-Vorsitzen in diesem Sommer 2017 zu Ende ging. Der Rechtsanwalt war überraschend Nachfolger des bis dahin amtierenden Bodo Hertlein geworden. Bis 1990 stellte Strutz nach und nach den Kern des heutigen Vorstands zusammen. Peter Arens war schon dabei. Jürgen Doetz und Karl-Heinz Elsässer wurden ebenfalls gewählt, bei der nächsten Wahlversammlung auch Friedhelm Andres, außerdem die teils bald, teils erst wesentlich später ausgeschiedenen Norbert Ebinger, Bernhard Geitel, Rolf Kiefer und Hans-Günter Mann. Im Laufe der Jahre gab`s nur wenig Fluktuation im Führungsgremium. Manfred Thöne, Hubert Friedrich und Andreas Kraft kamen hinzu. Anfang der 90er stieg Christian Heidel ein, der später als hauptamtlicher Manager fungierte. Mit dem Duo Strutz-Heidel nahm das moderne Mainz 05 Gestalt an. In Ihre Amtszeit fallen der Umbau des Stadions am Bruchweg zum Trainingszentrum und Nachwuchsleistungszentrum, der Neubau der Arena, der zweifache Aufstieg in die Bundesliga, die Deutsche U19-Meisterschaft, die Etablierung der 05er in der höchsten Spielklasse.

Hofmann wird Vorstansvorsitzender

Am 25. Juni 2017 verabschiedeten die 05-Mitglieder schließlich die Strukturreform und wählten Johannes Kaluza als ersten Vorstandsvorsitzenden in der Historie des Vereins. Der 62-jährige Unternehmer setzte sich gegen den bisherigen Vizepräsidenten Jürgen Doetz durch. Die alte Garde um den ausgeschiedenen Langzeit-Präsidenten Strutz war im Führungszirkel des Klubs nicht mehr vertreten. Gleichzeitig installierten die Mitglieder einen neunköpfigen Aufsichtsrat mit Detlev Höhne an der Spitze, als Kontrollinstanz. Kurz darauf wurde Rouven Schröder zum ersten hauptamtlichen Vorstand der 05ER ernannt. Der damals 41-Jährige wechselte aus seinem Angestelltenverhältnis in den Vorstand, wo er mit Kaluza eine Doppelspitze bildete. Allerdings trat Kaluza nach nur sechs Monaten aufgrund interner Differenzen zurück. Am 21. Februar 2018 entschied schließlich Stefan Hofmann die Wahl des Vereinsvorsitzenden, der zugleich satzungsgemäß ehrenamtlicher Vorsitzender des dreiköpfigen Vorstands von Mainz 05 ist, im ersten Wahlgang für sich. Hofmann war zuvor mehr als ein Jahrzehnt lang Sportlicher Leiter des Nachwuchsleistungszentrums des FSV gewesen und hatte maßgeblich zur Entwicklung der bundesweit beachteten Mainzer Nachwuchsarbeit beigetragen. Zuvor, am 1. Februar 2018, hatte bereits Dr. Jan Lehmann sein Amt als kaufmännischer Vorstand übernommen. Er ist seitdem, neben Schröder, der zweite Hauptamtler in diesem Gremium.

 

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